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Andacht 14. Sonntag nach Trinitatis 13.09.2020

Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis (13.  September 2020)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling
 
Wir hören Lukas, Kapitel 19, die Verse 1-10:
1 Jesus ging hinein nach Jericho und zog hindurch.
2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.
3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.
4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.
5 Und als er an die Stelle kam, sah Jesus auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn heute muss ich in deinem Haus einkehren!
6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freude.
7 Und als sie es sahen, murrten alle und sprachen: Bei einem sündigen Menschen ist er eingekehrt, um dort zu herbergen.
8 Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen! Und wenn ich etwas erpresst habe, so gebe ich es vierfach zurück.
9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.
10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
 
Liebe Gemeinde,
Zachäus möchte diesen Jesus sehen. Unbedingt. Dazu ist er auf einen alten, ausladenden Maulbeerbaum geklettert. Denn der kleine Mann hat keine Chance, sonst einen Blick auf Jesus zu erhaschen. Die anderen verstellen ihm den Weg. Mit ihren breiten Schultern drängen sie ihn - nur scheinbar unabsichtlich - ins Abseits. Die Bewohner Jerichos können ihn nicht leiden. Und die Durchreisenden auch nicht. Sie hassen ihn für das, was er tut. Dass er ihnen ihr Geld abknüpft, ohne richtig etwas dafür zu tun. Ja, sie haben den Eindruck, dass er oft sogar mehr aus ihnen herauspresst, als ihm eigentlich zusteht. Zachäus muss ehrlich zugeben, dass sie dabei gar nicht falsch liegen. Aber es traut sich auch keiner an ihn heran, weil die römische Besatzungsmacht schützend die Hand über ihn hält. Dafür beschimpfen sie ihn heimlich als Vaterlandsverräter. Er ist zwar reich, hat aber kein Ansehen.
Aber was ist das: In diesem Moment trifft der Blick dieses Jesus ausgerechnet ihn! Der Mann aus Nazareth hat ihn entdeckt – obwohl er gar nicht so leicht zu sehen ist im Schatten zwischen dem Laub. Die Menge macht Platz. Jesus schaut zu Zachäus auf. Er sagt etwas, das für ihn bestimmt ist. Ein Wort, das ihm ganz persönlich gilt.
Er soll vom Baum herunterkommen. Und Zachäus steigt herab. Jetzt ist der Zöllner einen Kopf kleiner als Jesus, muss zu ihm aufblicken. Es ist nicht weit zu seinem Haus. Zachäus führt die Gäste die Gasse hinauf, gleich zum großen Haus rechts. Nein, er war nicht darauf gefasst. Es ist nichts vorbereitet. Aber er hat natürlich etwas da, ein paar Feigen und Oliven, Brot und Wein.
Greift nur zu, es ist genug da, sagt er.
Jesus lächelt – das tut dem Oberzöllner gut. Seit Jahren hatte er keine wirklichen Gäste mehr im Haus. Vielleicht den einen oder anderen Kollegen, seinesgleichen. Oder Bittsteller. Jetzt hat er wirkliche Gäste: Sie erwarten von ihm keine Vorteile, keine Vorzugsbehandlung, keine Fürsprache bei der Besatzungsmacht.
Sonst isst Zachäus bloß, um satt zu werden. Für sich allein. Heute bedeutet ihm das Miteinander-Essen und -Trinken alles. Ihm fällt auf, dass noch kein einziges Wort über seine Arbeit gefallen ist. Das ist ihm schon lange nicht mehr passiert! Alle sehen in ihm nur den Zolleinnehmer. Er selbst auch. Er weiß eigentlich gar nicht, wer er als Mensch ist. Dabei ist er doch auch ein Mensch, ein Geschöpf Gottes, hat Gefühle.
Doch bis jetzt muss er vor allem funktionieren, muss bei der Besatzungsmacht geschickt taktieren und verhandeln. Muss darauf achthaben, dass er mehr Zollabgaben einnimmt, als er an Pacht zahlen muss. In der Zollstation darf er sich keine Blöße geben. Bloß kein persönliches Wort verlieren, nur keine Schwäche zeigen. Die Amts-Person herauskehren!
Zachäus merkt, dass er heute zum ersten Mal seit langer Zeit glücklich ist. Es fing damit an, dass Jesus zu ihm aufschaute, ihn ansprach, ihn meinte. Ihn und keinen anderen. Die Leute am Zoll gucken auf die Ringe an seinen Fingern, achten auf seine Kleidung, grinsen unverschämt wegen seiner Kleinwüchsigkeit. Auf die Geldmünzen, die hin- und hergehen, gucken sie freilich am meisten. Jesus ist der Erste seit langer Zeit, der Zachäus in die Augen geschaut hat - und dem er in die Augen schauen konnte. Zachäus wollte von Jesus kein Geld haben; und in den Augen von Jesus stand alles andere als Hass oder Verachtung geschrieben.
Zachäus ist sich sicher, dass er auf eine solche Begegnung nicht wieder Jahre warten will. Es darf auf keinen Fall alles wieder so werden wie gestern.
Zachäus möchte Jesus ein Geschenk machen, etwas ganz Besonderes. Er will ihm zeigen, dass das Geld fortan nicht mehr das Wichtigste in seinem Leben sein soll. Er möchte ihm schenken, dass er den Leuten, die er am Zoll über die Maßen geschröpft hat, ihr Geld vierfach zurückerstattet. Außerdem möchte er die Hälfte seines Besitzes an die Bedürftigen spenden. Das Miteinander, das Jesus ihm möglich gemacht hat, es soll spürbar bleiben in einer neuen Haltung des Miteinanders zu den anderen Menschen. Ein Miteinander, bei dem nicht mehr der Warenwert im Vordergrund steht, sondern der wahre Wert eines Menschen.
Zachäus hat heute eines gespürt: Solange er Angst hat um sich und seine Sicherheit und seinen Besitz, kann er überhaupt niemandem wirklich in die Augen schauen. Egal, wen er sieht: Er denkt immer nur an sein Geld. Wenn er die Menschen am Zoll sieht, denkt er nur daran, wie viel er ihnen abluchsen kann.
Jetzt weiß er, dass es im Leben mehr gibt als nur die Sorge um den Mammon. Als er mit Jesus gegessen hat, hat er gespürt, dass der sich um ihn sorgt. Das hat so gut getan! Bisher hat er immer gedacht, er wäre der Einzige, der sich um sich sorgt.
Er weiß noch etwas: Bisher steht draußen an seinem Haus geschrieben: „Zachäus, Oberzöllner“. Damit hat er ein bisschen angegeben. Es sollte auch die vielen Bettler abschrecken.
Nun will er es ändern – Jesus hat eben selbst gesagt, auch er sei Abrahams Sohn. Er wird „Oberzöllner“ überpinseln und darunter schreiben: „Abrahams Sohn“.
Und wenn Jesus morgen weiter gezogen ist, dann wir er auf das Schild schauen und sich freuen: Gott ist da – mitten im meinem Leben!
Gott nimmt mich, wie ich bin. Gerade das gibt mir die Kraft, nicht so zu bleiben, wie ich bin. Ich kann zu dem werden, den er in mir sieht.
Amen.



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