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Andacht 8. Sonntag nach Trinitatis 02.08.2020

Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis (2. August 2020)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling
 
 
 
Wir hören aus Johannes Kap. 9 die Verse 1-7:
1 Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.
2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?
3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.
4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.
5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden
7 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah - und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.
 
Liebe Gemeinde!
Wer hat schuld? Wer hat schuld an Corona? Wer hat schuld, dass der Blinde blind ist? Wer hat schuld, dass da einer so früh an Krebs gestorben ist? Wer hat schuld, dass ein anderer keinen Ausweg mehr sah, als sich das Leben zu nehmen?
Unsere Gedanken sind voller Schuldfragen. In unserer Geschichte wissen wir die Jünger an unserer Seite. Auch sie fragen: Wer hat gesündigt, dass er von Kindheit an blind ist? Trägt er selbst eine Schuld? Oder sind seine Eltern schuldig?
Gewiss, uns kommen solche Fragen unbarmherzig vor. Es gibt Situationen, da stellt man solche Fragen nicht. Jedenfalls nicht so.
Dennoch können wir nicht alle Schuldfragen so rasch zum Verstummen bringen. Wer ist schuld an Corona? Donald Trump hat eine einfache Antwort: Die Chinesen. Es ist herrlich einfach, ein Feindbild zu haben! Das lenkt von eigenem Versagen wirksam ab. Ein frommer Pastor aus der evangelikalen Ecke ist auch nicht um Antwort verlegen. Die Corona-Seuche sei eine Strafe Gottes, predigt er. Weil Gott keine Sünden ungestraft lasse. Und er weiß auch gleich, die Sünden zu nennen, die Gott da strafe: Diebstahl, Lüge, Homosexualität. Eine biblische Antwort auf die Schuldfrage? Auf jeden Fall ähnlich gedankenlos wie das Gerede der Jünger. Ich erinnere mich, als Ende der 80er Jahre die ersten Menschen an AIDS erkrankten und starben. Da hieß es aus dem gleichen frommen Winkel auch schon, dies komme von der Homosexualität und sei Gottes Strafe dafür. So können wohl nur Moralisten urteilen, die das Kainsmal auf der eigenen Stirn übersehen und ihre Unbarmherzigkeit auch noch auf Gott projizieren.
Vorsicht also bei Schuldzuweisungen, die durchsichtig sind! Wo Menschen zu Sündenböcken gemacht werden, wird abgelenkt, damit wir die eigentlichen Ursachen der Krise nicht sehen.
Wer ist also schuld an Corona? Wissenschaftler weisen auf den Anstieg neuer Infektionskrankheiten hin, der in den letzten Jahrzehnten erkennbar ist. "Zoonosen" sind Infektionskrankheiten, bei denen der Erreger vom Tier auf den Menschen übergeht. Missstände in der Lebensmittelproduktion, Wildtier-Märkte, hemmungsloser Flächenverbrauch und die rasante Zerstörung von Lebensräumen machen das möglich. Ernsthaft und dringlich müssen wir das Verhältnis zwischen Mensch und Natur wieder in Ordnung bringen. Der Großteil unseres bisherigen Wirtschaftens zielt auf kurzfristigen Profit und nicht auf Nachhaltigkeit. Damit sich das Drama nicht noch einmal mit einem ähnlichen Virus wiederholt, benötigen wir eine umsichtige Tierhaltung und das Ende der unkontrollierten Massenproduktion. Dem weiteren Zuwachs der Weltbevölkerung, der fortschreitenden Entwaldung unserer Erde und der Verschmutzung ihrer Gewässer darf nicht tatenlos zugesehen werden.
Keine Angst, ich werde nicht weiter politisieren! Aber es ist wohl deutlich, dass die Warum-Frage auch Sinn machen kann. Nur wer die Ursachen kennt, kann sie auch bekämpfen. Sonst heilen wir bloß die Symptome, und morgen kommt ein neuer Ausbruch. Man muss allerdings sehr genau hinsehen. Und darf auf die Wissenschaften auch hören. Auch als christliche Kirche und als Bibelleser. Gott gab dem Menschen ein Herz zum Denken, so lehrt der Weise Jesus Sirach (Sir 17,6). Mit Vernunft und Denken ist an die Krise heranzugehen. In vorsichtiger Weise auch mit theologischem Denken. Die Bibel weiß, dass Gott dem Menschen die Freiheit gegeben, auf dieser Erde zu schalten und zu walten. Aber er möchte, dass wir mit der Schöpfung und der Welt nach seinem Vorbild umgehen und nicht der zerstörerischen Gier folgen. Daher kann es nicht sein, dass wir nach der Pandemie einfach weitermachen wie gestern. Ja, womöglich hat Gott uns in diesem Jahr eben dies zeigen wollen: dass wir nicht so weiterwirtschaften können wie bisher.
Wenn wir das aber so sehen, sind wir von der Warum-Frage schon zur Wozu-Frage gekommen. Damit sind wir nun an der Seite von Jesus, wie er uns im Evangelium entgegen tritt. Jesus sieht den Blinden und ist dann angenehm zurückhaltend. Er kommt nicht mit Vorwürfen und Bedenken. Gewiss, es gibt gesellschaftliche Krisen, da dürfen wir nach den Ursachen fragen. Das haben schon die Propheten des Alten Testaments so gehalten. Sie haben Fehlentwicklungen beim Namen genannt und zur Buße gerufen.
Es gibt aber offenbar ganz viele Dinge in der Welt, wo wir nicht nach Schuld und Sünde zu graben haben. So gibt es organische Krankheiten, deren Grund uns verborgen ist. Es gibt tragische Unglücksfälle. Und auch psychische Erkrankungen gibt es, die ohne erkennbare äußere Ursachen zu unerklärlichen Verhaltensweisen führen. Jesus mahnt uns, nicht schlauer zu sein als Gott selbst, wenn er sagt: "Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern."
Gott ist nicht nur der liebe Gott. Gott ist der Allmächtige, der uns klein und schwach, endlich und sterblich erschaffen hat. Er ist der abgründige Gott, der den leidenden Hiob heimsucht und Erdbeben und Sturmfluten ihren Lauf lässt. Er ist der dunkle, unbekannte Gott, der uns das Fürchten lehrt und demütig macht.
Das wirkliche Wunderbare am Evangelium ist nun, dass Gott aus dem Dunkel dieser Unergründlichkeit ans Licht tritt. Denn in Jesus Christus ist er ja selbst da, tritt mitten unter uns und zeigt uns seine liebende und mitfühlende Seite. Jesus schaut genau hin - aufmerksam, achthabend, wahrnehmend. Er übersieht den blinden Bettler nicht, sowenig wie er am Taubstummen achtlos vorbeigeht oder das hungernde Kind darben lässt.
Im Stellen der Wozu-Frage und in der Antwort, die er darauf gibt, hilft er uns, Gott im Dunkel unserer Zeit zu entdecken und zu erkennen: "Es sollen die Werke Gottes offenbar werden! Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt."
Jesus tut die Werke Gottes und bringt  u n s  dazu, auch die Werke Gottes zu tun. Denn es ist etwas zu tun! In unserer Geschichte gibt er eine Heilsalbe auf die kranken Augen und schickt den Blinden zum Teich Siloah, sich dort das Gesicht zu waschen. Er hat ihn erleichtert. Erleichtert von Schuld. Denn die Blindheit hat mit Schuld nichts zu tun. Dieses Wissen wirkt an der Heilung mit. Jesus hilft dem Menschen, mit sich und der Welt ins Reine zu kommen.  Er heilt in ähnlicher Weise auch den Gelähmten, bringt den seelisch Zerrütteten wieder zurecht, macht den Hungernden satt.
Er tut die Werke des Schöpfers, heilsam und kreativ wirkt er Gottes Werke.  Er spricht: "Es werde Licht!" Und er macht Licht. Dabei hebt er nicht alle Grenzen auf. Der Geheilte darf Mensch sein, darf am Leben ungehindert teilhaben. Ein Anrecht auf körperliche Unversehrtheit und auf ewige Jugend hat er nicht.
Wo sind nun die Werke Gottes heute? Wir können sie dort sehen, wo Licht in das Dunkel einer Katastrophe fällt, wo Helfer selbstlos helfen und furchtlos den Kampf gegen Tod und Teufel aufnehmen. Wir waren ihnen auf der Spur, als wir zu Beginn der Corona-Krise Krankenschwestern, Ärzte, Pflegerinnen und Feuerwehrleute als "Engel, Retter und Helden" feierten und mit Applaus bedachten.
Gottes Werke tun, das heißt auch weiter, Rücksicht nehmen, Abstand wahren, Maske tragen. Daran können wir alle mitwirken. - Gottes Werke tun, heißt Schuld-Zuweisern und Verschwörungstheoretikern das Maul stopfen. Gottes Werke tun, heißt nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sondern das zu tun, was medizinisch jetzt zu tun ist. Wer einen Impfstoff findet, tut Gottes Werk. Wer ihn dann gerecht verteilt, setzt es fort.
Wozu ist Corona da? Um auch in der Krise die Werke Gottes zu tun, würde Jesus sagen. Langfristig bedeutet, Licht in die Finsternis zu bringen, Gott die Ehre zurückzugeben. Maßlosigkeit, Gier und rücksichtslose Ausbeutung sind nicht seine Werke. Das sind des Menschen Werke, die seine Überheblichkeit und Gottesverachtung bloßlegen.
Wozu ist Corona da? Dass der Mensch hellhörig werde und dünnhäutig, anfange zu denken und zu beten - und dann die Werke Gottes heute tue! Noch ist nicht die Zeit, in der niemand mehr wirken kann. Noch ist es Tag und noch gibt es Hoffnung.
Amen.



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