Startseite
Aktuelles
Gottesdienste
Termine
Leitung und Verwaltung
Unsere Kirchen
Was wir waren - was wir wollen
Unsere Pfarrei und Predigten
    Unsere Seelsorger
    Pfarrbezirke
    Andachten
    Predigten
       Predigten 1
       Predigten 2
       Predigten 3
       Martin Luher 10 Thesen für 2017
       Friedensgebet 75 Jahre Kapitulation
       Andacht zum Reformationstag 31.10.2020
       Jahreslosung 2020
       Predigt am 1. Weihnachtstag 2020
       Predigt zur Christvesper 24.12.2020
       Predigt zur Christnacht 24.12.2020
       HAUSGOTTESDIENST IM KREIS DER FAMILIE
       Ökumenischer Gottesdienst zu Neujahr2021
       Gottesdienst zum Altjahresabend 2020 (Silvester)
       Gedanken zum Karfreitag 2021
       Osterspaziergang 2021
       Predigt zu Pfingsten
       Predigt zum 5. Sonntag nach Trinitatis
       Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis
       Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis
       Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis (1.8.2021)
       Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis (8.8.2021)
       Predigt zum 12. Sonntag nach Trinitatis
       Predigt 13. Sonntag nach Trinitatis (29.08.2021)
       Predigt 19. Sonntag nach Trinitatis 10.10.2021
    Martin Luther 10 Thesen für das Jahr 2017
Amtshandlungen
Gemeindebrief
Ökumene
Kindergärten
Offene Kirche
Kinder-und Jugendarbeit
Erwachsenenarbeit
Seniorenarbeit
Chöre & Konzerte
Treffs & Gesprächskreise
Feste und Feiern
Blick über den Kirchturm
Bildergalerie 2009/2011
Bildergalerie 2012/2018
Bildergalerie 2019/
Seitenübersicht
Impressum

Andacht zum Reformaionstag 31.10.2020

.10.2020 über Matthäus 10,
26b-33
Pr. Hans Bolig

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.“
Der Predigttext für den heutigen Reformationstag steht beim Evangelisten Matthäus im 10. Kapitel, die Verse 26b bis 33:

26 Jesus sprach zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen. nichts ist verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird.
27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.
28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.
29 Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.
30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt.
31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge.
32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel.
33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.

Herr, Dein Wort sei unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen.

Liebe Gemeinde,

fürchtet euch nicht! Dreimal sagt Jesus diesen Satz. Er ist überhaupt der am meisten verwendete Satz der Bibel. Das lässt den Umkehrschluss zu: Wenn er immer wiederholt werden muss, dann kann die Angst der Menschen nur groß gewesen sein. Und in der Tat sagt Jesus ja auch an anderer Stelle: „In der Welt habt ihr Angst!“Fürchtet euch nicht! Auch heute ist die Angst allgegenwärtig. Die immer rasanter steigenden Coronazahlen tun das Ihre, die Angst vor Ansteckung mit ungewissen Folgen zu steigern. Und Corona steht ja nicht allein da. Die Ungewissheit über unsere persönliche Zukunft und die unseres Landes machen uns ebenfalls schwer zu schaffen.Hinzu kommen immer mehr polarisierende Gruppen, in denen man sich nicht mit Argumenten, sondern mit Gewalt begegnet. Der enthauptete französische Lehrer Samuel Paty ist ein grausames Beispiel, wie Angst und Fanatismus in die Herzen der Menschen gesät wird.Jesus setzt dagegen: Alles wird offenbar und kommt ans Licht. Das mag ja sein, Jesus, aber Du hast damals unsere Zeit nicht gekannt. Die Wahrheitsverdreher machen doch längst aus Wahrheit Lüge, und das Licht wird als Dunkel dargestellt.Aber ist das wirklich so exklusiv für unsere Zeit? Vor 500 Jahren tobte bereits ein Kampf um die Deutungshoheit für das, was Wahrheit ist. Die Kirche machte den Menschen Angst vor Hölle und Fegefeuer und zog ihnen so das Geld aus der Tasche. Ein kleiner Mönch stand dagegen auf und entfesselte mit seinen Thesen eine Revolution und einen Propagandakrieg ohnegleichen. Wer konnte im Krieg der gedruckten Schriften da noch den Überblick behalten? Zu Jesu Zeiten war das auch nicht anders. Der Gottessohn wurde als Ketzer gebrandmarkt, der die jüdische und römische Ordnung untergrub. Durch Intrigen wurde er schließlich am Kreuz hingerichtet.Da wundert es nicht, dass der Zorn der Machthaber sich genauso gegen Jesu Jünger richtet. Und darum ermutigt Jesus sie, sich nicht zu fürchten.Da könnte eingewendet werden: Schön und gut, Jesus, aber die Lage ändert sich nicht, wenn ich mich nicht fürchte. Dann werde ich eben angstfrei umgebracht. Doch das weiß Jesus auch. Er hatte ja selbst Todesangst. Aber er hat sie überwunden und ist seinen Weg weitergegangen bis ans Kreuz.Warum konnte er das? Weil er nicht alleine war. Er wusste seinen Vater bei sich. Natürlich war die Angst dadurch nicht weg. Sie bleibt ein ganzes irdisches Leben lang.Wenn er den Jüngern sagt, fürchtet euch nicht, will er Mut, Lebensmut dagegensetzen, dass wir das annehmen, was uns Menschen im Leben vor die Füße gelegt wird.Geht gegen eure Angst an, überwindet sie jeden Tag aufs Neue. Menschen werden euch verfolgen und nach dem Leben trachten, weil ihr euch zu dem bekennt, was ihr als Wahrheit erkannt habt.Der Reformator Martin Luther war in einer solchen Situation. Ich möchte nicht wissen, wie groß seine Angst war, als er auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser und Reichsfürsten zum Widerruf seiner Thesen aufgefordert wurde.Ich weiß aber, dass er in bedenklichen Situationen mit Kreide auf den Tisch schrieb: Baptistatus sum, zu deutsch: Ich bin getauft. Damit machte er sich Mut. Und Jesus tut das, indem er auf die kleinen Spatzen verweist, die bei Gott hochgeachtet sind.Um wieviel mehr gilt das für uns Menschen, um wieviel mehr gilt das für uns Getaufte. Gott hat doch gerade durch die Taufe uns als Kinder angenommen. Es war letztlich der Kontakt zu Gott, der Luther ermutigte zu sagen: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“

Und darum geht es: Bei Gott zu bleiben. Er ist die Kraftquelle, er stärkt uns und macht uns fähig, in stürmischen Zeiten durchzuhalten, sei es, dass wir mit einer Krankheit zu kämpfen haben oder mit Menschen, die uns unter Androhung von Gewalt und Tod zu etwas zwingen wollen, das wir als falsch erkannt haben.Wir müssen an dieser Stelle zwei Ebenen auseinanderhalten. Die eine ist die weltliche. Da begleitet uns die Angst. Die kann uns wegreißen von Gott und vor allem auch in den Tod führen. Dagegen sind wir auch nicht durch Gottes Begleitung gefeit.Die andere Ebene ist die göttliche, in der Jesu Wort gilt: In der Welt habt ihr Angst, doch seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Die Welt, sagt er, nicht die Angst. Durch die Hölle der Welt musste Jesus ja selbst hindurch.Doch sind diese beiden Ebenen für Glaubende miteinander verbunden. Wer sich hier an Gott hält, zu dem bekennt er sich, dem steht er bei, auch wenn es in der Welt im Scheitern und Tod endet. Aber das Bekenntnis Gottes zu uns, das mit der Taufe beginnt, hält über den Tod hinaus, wenn wir uns im Leben an ihn halten. Es ist die Erkenntnis der Reformatoren, dass dies ohne eigenen Verdienst, sondern allein aus Gnade, aus Glauben durch seinen Sohn Jesus Christus geschieht. Auch als Versager und Schuldbeladene dürfen wir mit der Barmherzigkeit Gottes rechnen.Diese Erkenntnis ist so kostbar, dass es gilt, sie auch heute noch zu bewahren. Der Liederdichter Jochen Klepper hat in schwerer Zeit das Bekenntnis Gottes zu uns in wunderbare Worte gefasst: „Ja ich will euch tragen bis zum Alter hin. Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.“ Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.



Nach oben