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Gedanken zum Karfreitag 2021

Der Karfreitag dient dazu innezuhalten. Es gilt, einmal wegzuschauen von den eigenen Problemen und Wünschen und auf Jesus am Kreuz zu schauen.

Der Prophet Jesaja sagt im 53. Kapitel:

4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

Am Karfreitag geht es also um die Vergebung von Schuld. Das wird leicht missverstanden. Vergebung bedeutet nicht, dass über alles der Mantel des Schweigens ausgebreitet wird. Sünde wird nicht verheimlicht, wenn wir unter das Kreuz treten. Sie wird vor Gott ausgebreitet. Aber wenn sie uns leid tut, dann tritt Christus für uns ein und erwirbt uns Gottes Barmherzigkeit und Gottes Verzeihen.

Gewiss - es gibt Dinge, die politisch unverzeihlich sind. Zum Beispiel, wenn in einer gesellschaftlichen Notlage zuerst an eigene Provisionen gedacht wird. Oder wenn die Wahrheit über die Pandemie geleugnet wird, wie es der selbsternannte Messias von Brasilien tut. Wenn Gefahren heruntergespielt werden, so dass gefährliche Mutationen sich ausbreiten und alles nur noch schlimmer wird. Oder auch, dagegen sicher etwas harmloser, wenn in Kenntnis des richtigen Weges dennoch unzureichend Vorsorge getroffen wird und Menschen deswegen zu Schaden kommen. Es gibt Dinge, die sind vermeidbar. Und es gibt Dinge, die sind nicht wieder gutzumachen. Das erfahren wir während dieser Pandemie jeden Tag aufs Neue aus den Nachrichten. Nur ein Stichwort mag hier genügen: Impfstoff-Knappheit.

Nein, unsere deutsche Politik ist nicht so perfekt, wie wir sie gerne hätten. Es werden Fehler gemacht. Entscheidungsträger hören immer wieder neu auf die gleichen falschen Ratgeber. Kleinstaaterei verhindert Konsequenz. Aber es wird auch um Verzeihung gebeten. Die Kanzlerin steht zu ihren Fehlern, ja nimmt vermutlich sogar die Schuld anderer auf sich. Das entspricht dem, was uns Christinnen und Christen durch den Karfreitag aufgezeichnet ist.

Ob es am Ende reicht, vermag keiner zu sagen. Doch wenn Reue redlich ist, wird das Gericht weggenommen, weiß die Bibel sagen. Da sollte jeder für sich einmal ins Grübeln kommen.

Denn eigene Schuld immerzu verleugnen und über andere Spott und Häme ausschütten, wie es derzeit Coronaleugner und Querdenker tun, das ist schlichtweg unchristlich und unverschämt. Und es führt überhaupt nicht weiter. Ich möchte jedenfalls nicht einen Menschen wie Attila Hildmann, Xavier Naidoo oder auch Nena Keller über mich regieren lassen. Die unseligen Zeiten eines Donald Trump stehen noch allzu nahe vor Augen. Da wurde selbstverliebt umgesetzt, was die Bibel Sünde nennt: "Ein jeder sah nur auf seinen Weg." Und das Land stand nahe am Bürgerkrieg.

Dann lieber eine Regierung, die Fehler macht - und sie versucht zu korrigieren. Das entschuldigt nicht alles. Und die Unzufriedenheit wächst nicht grundlos, solange bürokratische Mechanismen weiter kreative Lösungen verhindern oder wirtschaftliche Lobby-Verbände wissenschaftliche Erkenntnisse herunterspielen. Nein, es muss sich etwas ändern in diesem Lande. Und es wird sich auch etwas ändern. Leider in den nächsten Wochen weiterhin durch viel Leid hindurch.

Die Bibel erinnert uns am Karfreitag an den, der am Kreuz Krankheit und Schmerzen trug. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft dieses Tages: Wir sind nicht dazu berufen, uns gegenseitig Schuld vorzuhalten, sondern sollen auf den sehen, der menschliche Schuld trägt. Wir sollen einmal ganz von uns selbst absehen. Nur und allein das schenkt der Seele Frieden! Und wenn wir dann den Frieden in Jesus gefunden haben, dann können wir auch weitersehen: In den Kranken dieser Tage, in den Leidenden, den Sterbenden - da finden wir Christus, den Gekreuzigten, wieder. Und zu allem, was getan wird, um Schmerzen zu lindern und Schwerkranke zu retten, ob in den Krankenhäusern, auf den Intensivstationen oder zuhause, zu diesem Werk der Mitmenschlichkeit wird Jesus einmal sagen: „Das habt ihr an mir getan!“

Amen.



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