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Predigt19. Sonntag nach Trinitatis 120.10.2021

Der Anfang der Heilung” - Predigt zum 19. Sonntag nach Trinitatis (10.10.2021)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling
 
Für den heutigen Sonntag lesen wir den Abschnitt Markus 1,32-39:
32 Am Abend aber, als die Sonne unterging, brachten sie alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
33 Und die ganze Stadt war versammelt an der Tür.
34 Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele böse Geister aus und ließ die bösen Geister nicht reden; denn sie kannten ihn.
35 Und in der Frühe, noch zu nächtlicher Zeit, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an einen einsamen Ort und betete dort.
36 Und Petrus und die bei ihm waren, eilten ihm nach.
37 Und als sie ihn fanden, sagen sie zu ihm: Alle suchen dich.
38 Und er spricht zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
39 Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.
 
Liebe Gemeinde!
Am Abend, beim letzten Licht, bringen sie alle Kranken zu Jesus. Die ganze Stadt ist vor dem Haus versammelt und erlebt mit, wie Jesus viele Menschen von allen möglichen Krankheiten und von Besessenheit heilt. Heute würden wir vermutlich vom Lösen psychischer Blockaden sprechen und vom Beheben schwerer Identitätsstörungen.
Egal! Es ist schon dunkel, als sich die Menschen versammeln. Soll sein Werk etwa nicht gesehen werden, im Verborgenen bleiben? Scheut Jesus das Tageslicht oder die versammelten Menschen? Wie in einem übervollen Wartezimmer sind die Menschen im Dunkeln versammelt.
Wie ein Lauffeuer war die gute Nachricht von dem Mann, der lehrt und heilt, durch Kapernaum gegangen. – Stellen wir uns vor, dieses Lauffeuer ginge durch die Hagener Innenstadt! Welche Sehnsucht nach einer heilsamen Begegnung würde nicht auch in uns geweckt werden? Damals wie heute ist diese Sehnsucht ungebrochen. Wir möchten befreit werden von unseren körperlichen oder seelischen Schmerzen. Menschen sehnen sich nach der Vertreibung ihrer bösen Geister, die wir heute nicht mehr so benennen, obwohl zum Beispiel auch Süchte durchaus dämonische Auswirkungen auf die Seele haben können: Manche Menschen sind spielsüchtig, manche Handy-süchtig, manche Fernseh-süchtig; einige sind bereit, für ihre Sucht ihre Gesundheit und ihre Freundschaften preiszugeben.
- Wer möchte nicht geheilt werden von der Besessenheit nach Macht, der oder die Erste sein zu müssen, die Schönste oder der Stärkste zu werden?
- Wer möchte nicht geheilt werden von dem Gift des Neides, der Bösartigkeit und der Lügen?
- Wer möchte nicht, dass jemand seine Hand auf die vielen Wunden legt, die wir einander immer wieder zufügen?
- Wer möchte nicht die schmerzende Leere nach dem Sinn des Lebens gefüllt sehen, eine Fülle von Sinnhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe erleben – heilsames Leben im umfassenden Sinn?
Das Dunkel des Abends steht symbolisch für die Dunkelheit, die sich auf Menschen legt, die an Leib oder Seele krank sind. Sie stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens, sie spüren nicht die Wärme des Lichts, sondern eher einen stechenden Schmerz in der Seele - vielleicht ähnlich wie in dem Märchen vom Herz aus Eis. [1]
In der Abenddunkelheit aber begegnen sie Jesus, der später von sich sagen wird: "Ich bin das Licht der Welt!"  "Ich kann eure Körper und Seelen heilen, wenn ihr mich sucht, ich kann euch zu einer heilsamen Begegnung werden!"
Leib und Seele hängen zusammen: Wir wissen heute genau, dass Demütigungen verkrümmen können, Anerkennung dagegen aufrichtet. Enttäuschungen lassen mich erstarren, verdorren. Liebe bringt mich in Bewegung. Innerliche Leere beraubt mich jeder Kraft. Lebensfülle lässt mich dagegen verschwenderisch austeilen und abgeben.
Jesus heilt viele Menschen und treibt viele böse Geister aus. Dem Markus-Evangelium scheint es jetzt am Anfang seines Berichtes noch nicht wichtig zu sein, hier genaue Details zu erzählen. Auffällig ist nur, wenn man genau hinhört, dass zwar alle zu Jesus kommen, aber nicht alle geheilt werden. Viele werden wieder gesund, aber eben nicht alle.
Vielleicht hat das damit zu tun, dass einige eben innerlich noch nicht bereit sind. Ihr Leidensdruck ist womöglich noch nicht so, dass sie sich voll und ganz Jesus anvertrauen und voll und ganz das loslassen, was sie bis dahin beherrscht und bedrückt hat.
Für Jesus beginnt die Heilung eines Menschen mit der Heilung seiner Seele. Und diese Heilung vollzieht sich nach Art eines Regierungswechsels: nicht mehr die bösen Gedanken und negativen Gefühlen haben das Sagen, sondern die Macht des Guten, das Leben schaffende Wort Gottes.
Im griechischen Urtext steht für "heilen" das Wort "ϑεραπεύειν" (therapeúein). Es geht beim Heilen durch Jesus um eine umfassende Therapie. Die Grundbedeutung des Wortes "Therapie" ist: "Gott willig dienen", also ihm die Ehre geben und seinen Heilswillen wahrnehmen, der die Dinge wieder ganz und heil machen will.
Jesus lässt die bösen Geister nicht mehr zu Wort kommen. Die bösen Gedanken sollen den Menschen nichts mehr einreden. Für ihn gibt es kein Verhandeln mit dem Bösen, keinen Kompromiss. Der böse Geist erkennt das Gute und will es zu seinem Opfer machen. Der heilende Jesus gibt dazu keine Chance. Er bringt die Welt in Ordnung, stellt Gottes gute Schöpfung wieder her.
Was damals nur einer kleinen Stadt am galiläischen Meer widerfährt, wird zum Anfang des Evangeliums auch in dem Sinne, dass die Menschen in Jesus Christus eben Gott selbst mit seiner heilenden und helfenden Macht begegnen können.
Dieser Jesus verlässt deswegen aber nach getaner Arbeit Kapernaum auch wieder. Er zieht sich zurück und - betet. Daran erkennst du: Das Heil, das Jesus wirkt, gründet in Gott!
Aus der Beziehung zu Gott, dem Eins-Sein mit Gott, erwächst Jesus die heilende Kraft – er findet Zeit zu beten: Am Morgen, noch vor Tage steht er auf und geht hinaus an einen einsamen Ort und betet dort. Er holt sich seine Kraft aus Gott. Er findet ihn in der Stille.
Gott finden und so heil und ganz werden, das ist aber zugleich genau der Segen, der durch die Taufe auf uns kommen will. In der Regel taufen wir in unserer Kirche ein Kind. Noch klein. Seine Eltern dürfen wissen: Dieses Kind ist zum Heil bestimmt. Und auch sein Heil gründet in Gott.
Alle, die schon länger getauft sind, dürfen sich gesagt sein lassen: Auch du bist getauft! Dein Heil gründet in Gott. Und deine Therapie, durch die du wieder ganz wirst, egal woran du leidest, deine Therapie beginnt damit, dass du die Beziehung zu Gott wieder herstellst.
Suche die Stille, bete! Und Gottes guter Geist, durch den Jesus weiter unter uns wirksam ist, er wird deine Gedanken so ordnen, dass die bösen Gedanken weichen und verstummen müssen.
Amen.
 
Anm.:
[1] H. C. Andersen, Sneedronningen, 1845: „…og saa var det ganske grueligt, det Hjerte blev ligesom en Klump Iis.“



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