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Predigt zum 12. Sonntag nach Trinitatis

“Nicht sehen – nicht hören – nicht sprechen”

Eine Taufansprache zum 12. Sonntag nach Trinitatis (22.08.2021)

Pfarrer Dr. Christoph Weiling

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Wer kennt sie nicht: die drei Affen? Jede und jeder hat sie wohl schon einmal gesehen: Der eine hält die Hände über beide Augen. Der zweite verstopft sich die Ohren mit den Händen. Der Dritte legt die Hände quer über den Mund.

Nicht sehen! Nicht hören! Nicht sprechen! - so scheinen sie uns sagen zu wollen. Und nachdem die ersten Affen-Figürchen als kleine Schnitzbilder aus dem fernen Japan zu uns nach Deutschland gekommen waren, hat man sie auf eben diese Weise als Sinnbilder der Torheit gedeutet. Der erste Affe stellt uns spiegelbildlich einen Zeitgenossen vor, der die Wahrheit nicht sehen will und sie ausblendet. Ein Querdenker also. Der zweite versperrt seine Ohren vor aller Kritik. Er lässt sich nichts sagen. Und der dritte hält den Mund ausgerechnet dann, wenn es angebracht wäre, etwas zu sagen. Er ist ein Sinnbild für mangelnde Zivilcourage.

Diese Deutung der drei Affen ist sehr verbreitet bei uns in Europa. Und sie deckt sich ganz gut mit christlichen Aussagen, die in etwa die gleiche Richtung gehen. In den biblischen Geschichten, die normalerweise am heutigen Sonntag gelesen werden, steht im Mittelpunkt, wie einem, der die Wahrheit ausblenden will, die Augen geöffnet werden. Es ist der Apostel Paulus, der in seinen jungen Jahren nichts von Christus wissen will. Er verfolgt die Christen und will nicht sehen, dass Jesus direkt von Gott gekommen ist. Doch eines Tages erscheint ihm der auferstandene Jesus selbst und fragt ihn: Warum verfolgst du mich! Das erschrickt Paulus so sehr, dass er eine Zeitlang sogar überhaupt nichts mehr sieht und wirklich blind wird. Aber nach drei Tagen wird es langsam besser mit ihm - und wie mit neuen Augen erkennt er jetzt die Wahrheit: Jesus lebt; und Gott ist nicht gegen Jesus, sondern mit Jesus. Jesus ist eins mit Gott. Also steht Jesus nicht für den falschen, sondern für den richtigen Weg! Die Hände, die Paulus gleichsam vor den eigenen Augen hielt, um diese Wahrheit nicht sehen zu müssen, sie waren ihm von Gott selbst wie durch ein Wunder weggerissen worden (Apg. 9,1-20).

In einer anderen Geschichte für den heutigen Sonntag heilt Jesus einen tauben Menschen. Er tut ihm die Ohren auf durch ein einziges heilsames Wort (Mk. 7,31-37). Denn er ist nicht nur das Licht der Welt, sondern auch die Wahrheit und das Leben. Wieder andere verhilft er zum Sprechen und Reden.

Es steht also im Mittelpunkt unserer christlichen Botschaft, dass wir alle unsere Sinne recht gebrauchen sollen. Wir sollen eben nicht so sein wie die drei törichten Affen und die Augen und die Ohren oder den Mund verschließen, sondern aufmerksam hinschauen, die gute Botschaft hören und Gutes reden.

In einem sehr bekannten Kirchenlied heißt es: "Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können / und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, / das haben wir zu danken seinem Segen. / Lobet den Herren!" (Paul Gerhardt, EG 447)

Und zur Taufe von Kindern wünschen wir ihnen genau diesen Segen: Hände, die spielen können, Füße, die gehen und hüpfen, Augen, die schauen und sehen, Ohren, die horchen und hören, Lippen, die sprechen und singen können. Bei der Taufe haben wir es meist mit noch kleinen Kindern zu tun. Da bitten wir darum, dass sich ihre noch unverbrauchten Sinne entfalten mögen und sie einmal mit den eigenen Augen sehen und mit den eigenen Ohren hören. Gott gibt uns Augen, dass wir uns sehen. Er gibt uns Ohren, damit wir hören. Er gibt uns Worte, dass wir verstehen.

Manchmal wird zu einer Taufe auch das sehr eindrückliche Lied von Bettina Wegener gewünscht. Da heißt es:

"Sind so kleine Ohren, / scharf - und ihr erlaubt -, / darf man nie zerbrüllen, / werden davon taub. / Sind so schöne Münder, / sprechen alles aus. / Darf man nie verbieten, / kommt sonst nichts mehr raus. / Sind so klare Augen, / die noch alles sehn. / Darf man nie verbinden, / könn' sonst nichts sehn."

Unsere Fürbitten für die Täuflinge sprechen darum das Anliegen aus, dass die Augen eben nicht verschlossen werden, die Ohren nicht zugehalten werden, der Mund nicht still sein muss. Kinder sollen sich entfalten. Dazu gehört, dass sie mit allen Sinnen am Leben teilhaben. Das schenkt Freiheit.

Doch ich will noch einmal auf die drei Äffchen zu sprechen kommen: In unserer westlichen Welt malen sie uns vor Augen, wie töricht Menschen sind, die ihre Augen, Ohren und Stimmen nicht gebrauchen wollen. Wir wünschen unseren Täuflingen, dass das bei ihnen nie dazu kommt. Sie sollen nicht wegschauen, sondern hinschauen, hinhören, mutig reden und ehrlich sprechen. Das soll ihnen keiner verbieten.

Aber doch drücken diese drei Äffchen noch eine andere Haltung aus. Und ich finde wichtig, bei unseren Wünschen zur Taufe von Kindern auch dies mitzubedenken! Denn in ihrer ursprünglichen Heimat in Japan gelten die drei Affen keineswegs als dumm, sondern im Gegenteil als weise. Sie haben auch Namen und heißen Mizaru (見ざる), Kikazaru (聞かざる) und Iwazaru (言わざる). Ihre Gebärden erinnern die Menschen dort an den klugen Konfuzius, der seinen Schülern auftrug, nichts Böses zu sehen, nichts Böses zu hören, nichts Böses auszusprechen, um so die Seele rein zu halten und die Welt zu verbessern. [1]

Mit einem Mal werden mir die drei Affen sympathischer. Aus Zerrbildern werden Vorbilder. Denke ich an unsere heutigen Kommunikationsmittel, so erscheinen sie mir sogar hochaktuell. Wieviel Brutales ist doch auf allen Kanälen zu sehen! Wieviel Mord und Totschlag! Wieviel Lüge wird verbreitet in unseren sogenannten sozialen Netzwerken! Wieviel Hass wird da gepredigt! Wieviel Häme ausgestreut! Da muss man leider sagen: Es ist nicht des Guten zu viel, sondern es ist zu viel des Bösen.

Ja, wir können unsere Augen mit Schönem erfüllen, aber auch mit Dunklem. Wir können zuhören und dann auf unsere Mitmenschen liebevoll eingehen. Wir können unsere Ohren aber auch mit Krach füllen und Hassparolen leihen. Wir können Gutes reden. Wir können Böses reden. Wir können unseren Mund gebrauchen für das eine wie für das andere.

So sind die drei Affen wohl Beispiele in einem sehr umfassenden Sinn: sie führen uns vor, wie wir Menschen nicht sein sollen und gleichzeitig, wie wir sein sollen.

Hören, Sehen, Sprechen können zum Guten wie zum Bösen dienen. Darauf kommt es an. Daher wünsche ich unseren Täuflingen nicht nur, dass sie immer besser hören, sehen, sprechen lernen, sondern ebenso, dass niemals Böses an ihre Ohren dringt, niemals Böses die Augen blendet und niemals Böses ihre späteren Worte vergiftet.

Taufe - so hieß es am Anfang der Christenheit - ist immer auch verbunden mit der Absage an das Böse. Vielleicht ist heute eine passende Gelegenheit, wieder daran zu erinnern.

Ich möchte daher für unsere Täuflinge so beten:

Lieber Gott, erhelle die Augen unserer Täuflinge, damit diese das Schöne in der Welt sehen und sich daran erfreuen. Beschütze sie vor allen Eindrücken, die ihrer Seele schaden.

Öffne ihre Ohren, damit sie schon als Kinder offene Ohren für andere haben und aufmerksam sind. Aber verstopfe ebenso ihre Ohren vor allen Lügen, Halbwahrheiten, Hassbotschaften.

Öffne ihre Münder, damit sie schon als Kinder freundliche Worte sagen und sich mitteilen können. Heiße sie aber schweigen, wo immer ihre Worte beleidigen oder verletzen würden.

Gott, verleihe uns und ihnen jederzeit die Weisheit, das Gute vom Bösen unterscheiden zu können: jenes zu tun, dieses aber zu lassen.

Amen. [2]





Anmerkungen:



[1] Konfuzius, Lúnyǔ (Gespräche), XII,1,1: 顏淵問「仁」。子曰:「克己復禮爲仁。一日克己復禮,天下歸仁焉,爲仁由己,而由人乎哉?」顏淵曰:「請問其目。」子曰:「非禮勿視,非禮勿聽,非禮勿言,非禮勿動。」顏淵曰:「回雖不敏,請事斯語矣!」- Yányuān wèn `rén'. Zǐ yuē: `Kèjǐ fù lǐ wèi rén. Yī rì kèjǐ fù lǐ, tiānxià guī rén yān, wèi rén yóujǐ, ér yóu rén hū zāi?' Yányuān yuē: `Qǐngwèn qí mù.' Zǐ yuē: `Fēilǐ wù shì, fēilǐ wù tīng, fēilǐ wù yán, fēilǐ wù dòng.' Yányuān yuē: `Huí suī bù mǐn, qǐng shì sī yǔ yǐ!' (Yan Hui fragte nach der Menschlichkeit (Rén). Der Meister sagte: „Es ist menschlich, sich selbst einzuschränken und sich Regeln zuzuwenden. Einen Tag sich selbst einschränken und die Regeln wiederherstellen - das würde die Welt zur Menschlichkeit zurückführen. Menschlichkeit hängt von einem selbst ab. Oder hängt sie etwa von den anderen ab?“ Yan Hui sagte: „Darf ich nach den Einzelheiten fragen?“ Der Meister sagte: „Sieh nichts Böses (Fēilǐ), hör nichts Böses, sprich nichts Böses, tu nichts Böses!“ Yan Hui sagte: „Obwohl ich langsam bin, will ich doch diese Worte ausführen.“)



[2] Vielleicht vermisst jemand den Bibeltext zu dieser Predigt. Sie nimmt vornehmlich Bezug auf Apostelgeschichte Kap. 9 und auf Markus Kap. 7, Verse 31-37. Nichts Böses schauen, hören, sagen – das ist jedoch nicht nur ein Rat des Konfuzius, sondern auch uralte biblische Weisheit:

„Wer seine Augen zuhält, dass er nicht nach Bösem sehe, der wird Gott schauen in seiner Schönheit und wird weites Land sehen.“ (Jes 33,15-17)

„Wer seine Ohren zustopft, dass er nichts höre von brutaler Gewalt, der wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein.“ (Jes 33,15-16)

„Wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und seinen Nächsten nicht schmäht, der wird nimmermehr wanken.“ (Psalm 15,3.5)



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