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Predgt zur Christnacht 24.12.2020

Predigt zur Christnacht (24. Dezember 2020)
Pfarrer Dr. Christoph Weiling
 
Liebe Gemeinde, ein Wort möchte ich in den Mittelpunkt der diesjährigen Christnacht stellen. Ein Wort aus dem Evangelium des Johannes, und zwar aus dem 3. Kapitel den Vers 16:
„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Liebe Gemeinde, vielleicht erleben wir Weihnachten in diesem Jahr viel näher am Original. Denn das erste Weihnachtsfest fand auch zu einer eher schwierigen Zeit statt. Während es heute heißt: „auf dass alle Welt geschützt würde“ – hieß es damals: „auf dass alle Welt geschätzt würde“. Vor 2020 Jahren wurde zwar keine Pandemie bekämpft, sondern bloß eine Volkszählung abgehalten. Aber das Gefühl, wie zerbrechlich und bedroht das Leben sein kann, das war den Menschen damals durchaus auch nicht fremd. Sogar der Verdruss über die Maßnahmen, die die Regierenden „da oben“ trafen, war schon mit dabei und sorgte schon damals für Unmut und manche Querköpfigkeit.
Zwar galt nicht das Motto, möglichst zuhause bleiben und Kontakte einschränken, sondern eher im Gegenteil: Hinaus auf die Straßen und zu den Zählzentren, wo man sich in die nötigen Steuerlisten einzutragen hatte. Jeder in seiner Vaterstadt. Das führte zu Gedränge und Geschubse. Das war fast so unangenehm wie das heutige Zuviel an Stille und Einsamkeit. Und ging auch zu Lasten besonders der Kleinen und der Schwachen.
Bedroht war die heilige Familie vor allem darum, weil sie nicht damit rechnen konnte, auf dem langen und anstrengenden Weg immer eine gute Unterkunft zu finden. Auch im heiligen Land können die Nächte im Winter empfindlich kalt sein. Gegen Krankheiten gab es damals sehr viel weniger Möglichkeiten als heute. Sogar eine Schwangerschaft konnte schnell lebensbedrohlich werden. Die Kindersterblichkeit war extrem hoch.
So war das Jesuskind schon bedroht, noch ehe es richtig auf der Welt war, schon auf dem Weg im Bauch seiner Mutter Maria von Galiläa hinauf nach Bethlehem ins judäische Land.
Leben kann so vielfältig bedroht sein! Das schienen wir vor Corona fast vergessen zu haben. Der jungen Familie aus Nazareth, die da nach Bethlehem gezogen war, stand das in jenen Tagen dauernd und überdeutlich vor Augen.
Mitten hinein in das bedrohte Leben dann aber diese Worte: „Fürchtet euch nicht!“ Die Engel sagten es den Hirten. Und die sagten es ihrerseits weiter. Mitten in der Finsternis kam Gottes Licht zur Welt: „Euch ist heute der Heiland geboren!“
Es gibt keine Pandemie, keine Krise, die diese Botschaft auslöschen kann.
Warum? Weil Gott ein Gott des Lebens ist und nicht des Todes. Gott hat sich in Jesus Christus zwar auf unsere Dunkelheiten eingelassen, aber er hat das Menschliche nicht dem Tod überlassen - so sehr auch schon die hölzerne Krippe das spätere Kreuz erahnen lässt. Aber das Kreuz ist eben nicht das Letzte! Jesus ist bis heute lebendig uns nah, an unserer Seite – in allem, was wir erleben.
Die Liebe Gottes, die in der Krippe ihren Weg mit uns Menschen beginnt, sie ist unzerstörbar und unauflöslich.
Was auch immer geschieht, Gott gibt uns nicht preis: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Unglaublich, aber wahr. In dieser heiligen Nacht macht der lebendige HERR seine Zusage wahr: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!“
Sagen wir Gott ruhig, wie groß unsere Sorgen sind, aber unseren Sorgen sei auch gesagt, wie groß Gott ist! Die Vernunft lehrt uns zwar, dass Vertrauen ohne Vorsicht Leichtsinn ist, sträflicher Leichtsinn. Der Glaube aber sagt, dass Vorsicht ohne Vertrauen Verzagtheit ist.
Umsichtiges Vertrauen bedeutet nicht Tatenlosigkeit, macht vielmehr Mut, lässt aushalten und durchhalten. Aber es auch erfordert Geduld. Denn es ist ja nicht gleich alles gut. Das war es schon damals für die heilige Familie nicht! Es war auch für die Hirten auf dem Felde nicht gleich ein Goldenes Zeitalter angebrochen. Die Familie musste fliehen vor den Nachstellungen des Herodes. Der war unerbittlich und trachtete dem Neugeborenen nach dem Leben. Immerhin: Es gelang ihm nicht, ihn umzubringen. Seine menschenverachtenden, selbstsüchtigen Pläne scheiterten. Die heilige Familie allerdings musste eine lange Zeit in der Fremde ausharren – so wie Flüchtlinge heute. Ihnen erging es kaum anders.
Und so ist die Weihnachtsgeschichte keineswegs eine heimelige Geschichte von heiler Welt und Lagerfeuer-Idyll, sondern eine Geschichte von Bedrohung und Bewahrung, von Furcht und Vertrauen, von Licht und Schatten. Eine Geschichte, die weitergeht, die durch keinen Herodes abrupt unterbrochen wird, die aber auch weiter Geduld abverlangt, weil es die Geschichte nur des Anfangs ist, nicht auch schon die Geschichte der Vollendung.
Gottes Kind ist in der Welt – aber es bleibt noch viel zu tun. Auch das Kind selbst, später als Erwachsener, wird erst beginnen mit dem Gottesreich, wird predigen und heilen, aber wird keineswegs überall auf offene Ohren stoßen und wird auch nicht alle Kranken mit einem Mal und an allen Orten gleichzeitig gesund machen. Seine Macht ist die Macht der Liebe. Die ist sanft und kommt nicht wie eine Planierraupe daher. Sie ist still und leise und nicht darauf aus, alles in den Griff zu bekommen.
Wir modernen Menschen hatten uns wohl einige Jahrzehnte lang zu sehr der Illusion hingegeben, dass das zu schaffen sei: dass man mit den nötigen technischen Mitteln schon alles unter Kontrolle bekäme; alle sozialen Probleme, die Energieversorgung, absehbar auch alle Krankheiten und sogar das Alter. Aus solcherlei Illusionen hat uns das Jahr 2020 ganz schön herausgerissen!
Wir merkten in diesem Jahr, dass es Dinge gab, die wir nicht in den Griff bekamen. Alle, die über Maßnahmen entscheiden mussten, hatten es nicht einfach und konnten nur auf Sicht fahren. Die Bereitstellung eines Impfstoffes braucht weiter noch Zeit. Jede und jeder schlägt sich mit Erfahrungen herum, die vollkommen neu sind, verunsichern und erschöpfen. Von jedem und jeder ist zugleich höchste Verantwortung gefordert.
So gilt es weiterhin, möglichst Neuinfektionen zu vermeiden. Also Abstand, Maske, Gurgeln, Lüften. Ja, noch spüren wir an diesem Weihnachtsfest: Das Corona-Virus hat unseren Alltag empfindlich unterbrochen – und den Festtag auch.
Manche denken: Das ist auch gut; daraus können wir vielleicht vieles lernen. Es ist gut, dass wir uns gerade jetzt darauf besinnen, was wirklich wichtig ist. Ja, das ist sicher richtig.
Aber dabei dürfen wir die nicht übersehen, die es jetzt besonders schwer haben:
Da sitzt jemand ganz alleine in seiner Wohnung und fühlt sich abgeschnitten und isoliert von allen.
Da wird jemand beatmet und fürchtet um sein Leben.
Da wissen manche nicht, wie es wirtschaftlich weitergehen soll, weil die Betriebe geschlossen sind: in der Gastronomie, in der Reisebranche, bei allen, die ihren Lebensunterhalt mit Konzerten, Festen oder Kulturschaffen verdienen.
Da ist weiter viel Geduld, sehr viel Geduld gefragt. Und Unterstützung. Vielleicht können wir telefonisch Nähe herstellen, wo es mit direkter Anwesenheit nicht geht.
Wir wollen auch an jene denken, die gerade jetzt doppelt und dreifach gefordert sind – in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, in den Rettungsdiensten, bei der Polizei.
Und auch denen gilt unser Mitgefühl, die ungewohnte Situationen bewältigen müssen – in Kindertagesstätten und Schulen, in unseren Familien. Sie alle brauchen weiter viel Geduld, viel Kraft; und sie brauchen Solidarität – in diesen Winterwochen und in der Zeit danach.
Dabei können wir alle dankbar sein, in einer Gesellschaft zu leben, die in einer so schwierigen Situation darum ringt, gerade Schwache und besonders Verwundbare zu schützen! Diesen Weg müssen wir aber auch weitergehen. Es ist Weg der Nächstenliebe und damit eben der Weg, der am Heiligen Abend vor 2020 Jahren begonnen hat.
An Jesus, dem Christus, können wir sehen: Wir können liebend ungeheuer viel erreichen und Schlimmes zum Guten wenden. Da sind Menschen unter uns mit frischen Ideen, andere halten treu Kontakt zu Älteren und Einsamen. Darüber kann man sich nur sehr freuen! Hoffnung, Geduld, Trost kommen aber nicht aus sich selbst. Damit sie in uns bleiben und uns immer neu erfüllen, ist es gut, mit Gott in Verbindung zu bleiben! So wie das bei Jesus ja immer der Fall war.
Auch wenn Abstandhalten zurzeit Pflicht ist, zu Gott jedenfalls müssen wir nicht auf Distanz gehen.
Vielleicht sind jetzt manche bei diesen Zeilen dabei, die denken: Ich habe schon lange nicht mehr gebetet. Oder andere, die sagen: Ja, in diesen Monaten hatte ich manches Stoßgebet im Herzen.
Wie auch immer: Beten tut gut, Beten hilft, Beten gibt Kraft. Das Gebet ist der Ort, wo ich das vor Gott ausbreiten kann, was mich im Innersten bewegt: meine Sehnsucht, meine Wünsche, meine Sorge, meine Angst, meine Fragen. Wenn ich bete, dann sage ich Gott das, was ich nicht verstehe und begreife. Ich vertraue Gott Menschen an, um die ich mich besonders sorge. Und ich bitte Gott um seinen Schutz und seinen Beistand für mich und für andere.
So lassen Sie uns miteinander und füreinander beten – noch einmal: Sagen wir Gott dabei ruhig wie groß unsere Sorgen sind, aber sagen wir auch unseren Sorgen, wie groß Gott ist!
 
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
 
 



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