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Erlöserkirche in Hagen-Emst  


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Übersicht:

Klicken Sie hier ein Thema an, um direkt dorthin zu springen:

1. Der Name der Kirche

2. Die Ästhetik des Kirchbaus

3. Die Baugeschichte

4. Die Paramente der Erlöserkirche

5. Der Grabstein vor der Kirche

6. Panorama-Ansichten der Erlöserkirche




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Der Name der Kirche

Das Sakristeifenster zeigt eine Darstellung des Jona. Verborgen in der Höhle des Fischrachens betet der Prophet. Die Künstlerin Hilde Ferber hatte seinerzeit das Motiv gut gewählt. Am Sonntag „Rogate“, der besonders durch das Motiv des Betens bestimmt ist, wurde 1956 die Erlöserkirche eingeweiht. Jona aber ist seit dem Urchristentum eben auch ein Sinnbild für den Erlöser: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“ (Mt 12,40) Tod und Auferstehung Christi sind im gottgewirkten Schicksal des Propheten vorgebildet. Jesus selbst hat es so gesehen.


 


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Als 1956 der erste Gottesdienst in der Erlöserkirche gefeiert werden konnte, hatten die Menschen ein tiefes Gespür für all das, was mit dem Begriff „Erlösung“ zusammenhängt. Sie hatten selbst ein dunkles Tal durchschritten. Hagen war im Krieg schwer getroffen worden, Vertriebene aus dem Osten suchten eine neue Heimat. Alle brauchten Arbeit, Brot und Unterkunft. Dankbar waren die Menschen für das, was ihnen neuen Mut und tiefen Zusammenhalt brachte. Durch gemeinsame Anstrengungen entstanden neue Gottesdienstzentren. In Emst kam man nach 1946 zunächst in einer Holzbaracke unter. Wie eine große Gnade erschien es den Christen, dass dennoch so bald nach dem Krieg wieder richtige Kirchen gebaut werden konnten. Die Solidarleistung des Gesamtverbandes ermöglichte Neubauten in Halden (1952), Holthausen (1955) und auch die Wiedereinweihung der Eppenhauser Kirche (1955).


 

Altar mit Pfingstparament



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1956 konnte dann in Emst die Kirche feierlich in Dienst genommen werden. „Die Kirche soll den Namen ‚Erlöserkirche’ tragen. Gott, unser Vater, schenke es durch seine Gnade, dass in dieser Kirche die frohe Botschaft von unserer Erlösung durch seinen Sohn Jesus Christus in der Kraft und Vollmacht des heiligen Geistes allezeit lauter und rein verkündigt werde.“ So ist es auf dem Grundstein, der bereits 1954 gelegt worden war, feierlich beurkundet. Die „Erlöserkirche“ stellt uns die Erlösung mannigfaltig vor Augen. Aller bildlicher Schmuck an Türen und Fenstern, am und über dem Altar bezeugen, was Theodor Fliedner wunderbar eindrücklich formuliert hat: „Ohne Christus haben wir im Leben keinen Frieden, im Tod keinen Trost, in der Sünde keine Vergebung.“


 

Fenster im kleinen Saal



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Teilhaben an dem Erlösungswerk können wir Menschen aber nur, wenn wir uns der Liebe Gottes öffnen im Gebet, uns ansprechen lassen durch Predigt und Segen, uns Versöhnung schenken lassen durch die Sakramente. Darum ist der Gottesdienst von Anfang an der unbestrittene Mittelpunkt des Gemeindelebens an der Erlöserkirche gewesen. Was allerdings von dieser Mitte alsbald nach außen weiterwirken soll, machen die Keramikbilder deutlich, die an der Außenwand des Chores angebracht wurden. Ebenfalls von Hilde Ferber stammt der Entwurf für die „barmherzigen Taten“, zu denen alle Christen aufgerufen sind: Gäste beherbergen, Kranke trösten, Hungrige speisen, Durstige tränken, Gefangene besuchen, Kleider schenken. Die „Erlöserkirche“ ist für mehrere Generationen ein Haltepunkt wichtiger Lebensstationen und ein Ort gemeindlicher Sammlung geworden. Möge sie auch weiter das Leben in unserem Stadtteil heilsam prägen. Denn nichts Vergängliches – und sei es Gold oder Silber – kann uns frei und glücklich machen, sondern allein Christus, der sogar dem Rachen des Todes getrotzt hat.


 

Fenster im Altarraum



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Die Ästhetik des Kirchbaus

Kirchenbauten des christlichen Abendlandes zeigen - anders als die Schöpfungen der Antike - vor allem im Innenraum ihre besondere Ausprägung und Bedeutung. Diese Feststellung lässt sich ganz deutlich auch auf unsere Erlöserkirche beziehen, obwohl sie eindeutig den Fünfzigern des 20. Jahrhunderts zuzuordnen ist.
Bereits die Zeitspanne von fünfzig Jahren kann unerbittlich entlarven, was einstmals lediglich Zeitgeschmack gewesen ist, oder was Bestand hat. Was ist nun der Grund dafür, dass die Erlöserkirche bis heute eine so würdevolle und schöne, freundlich-einladende und fast zeitlos-sakrale Wirkung auf Kirchenbesucher hat?
Alteingesessene Gemeindemitglieder sind schon immer mit ihrer Kirche sehr zufrieden gewesen. Aber auch die später Zugezogenen erleben den Innenraum der Kirche in seiner lichten und klaren Geometrie - zum Teil wohl eher unbewusst - als feierliche Inszenierung.
Schon das Tympanon über dem Eingang, das Bogenhalbrund über dem Portal mit dem Relief des Erzengels Michael, verspricht die Bekanntschaft mit etwas sehr Eigenständigen.
Befindet man sich dann im Inneren der Kirche, so sind es die Prinzipalstücke im Altarbereich, die durch die Beredsamkeit ihres Detailreichtums auf sich aufmerksam machen.


 

Portal



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Vor allem die Kanzel, das Lesepult und das Taufbecken seien hier hervorgehoben. Allen gemeinsam eignet eine unverwechselbare Konzeption, eine handwerklich hervorragende Ausführung sowie die Verwendung von angemessenem und gutem Material.


 

Lesepult



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Dies soll am Beispiel der Kanzel etwas detaillierter belegt sein:
Von einem steinernen Zwischenpodest, das der Höhe der Altarebene entspricht, führen sieben Stufen bis auf die Sockelhöhe der Kanzel, die als Säulenschaft in Stein ausgebildet, den eigentlichen Kanzelkorb aus Nussbaumholz trägt.


 

Kanzel zum Erntedankfest



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Dieser Korpus besteht aus einer Ummantelung von zwölf Intarsienflächen; darauf in Blickrichtung schräg auf die Gemeinde angeordnet - das Pult.

Wenn man die Gesamthöhe der Kanzel nach dem Gesetz des „Goldenen Schnitts“ teilt, so wird man finden, dass der steinerne Unterbau, der mit elegantem Schwung - der Enthasis einer dorischen Säule sehr ähnlich, nach oben zu, einer Kurve folgend, schlanker wird, - inklusive Gesims genau dem „Major-Teil“ dieser klassischen Teilung entspricht, während der hölzerne Aufbau ebenso genau den „minor-pars“ des Goldenen Schnitts ausmacht. Nicht Jedermann wird diese Proportionsregel als solche erkennen können; was aber doch eindeutig wird, ist die Auswahl der wenigen aber besonderen Materialien, die qualitätvoll ausgeführte Arbeit sowie die formale Stimmigkeit aller Teile untereinander und die einfache aber deshalb umso großartiger wirkende Gesamterscheinung.


 

Kanzel mit Pult



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Alle Holz- und Steinmetzarbeiten sind, was Formgebung und Ausführung von Profilen und Gesims anbelangt, von hoher Qualität. Der überaus grazil ausgebildete Handlauf mit seinen Geländerstreben aus Schmiedeeisen gibt der Erscheinung im Ganzen die Vollendung.
Die Kanzel hat in der Konzeption des Kirchenraumes ihre optimale Position erhalten, indem sie am Gelenkpunkt zwischen Altar und Gemeinderaum, ganz in der Nähe zur Sakristei, angeordnet ist. Ihre Position ist als etwas vorgezogener Punkt eines gleichschenkligen Dreiecks, dessen gegenüberliegender Endpunkt den Ambo, das Lesepult, ausmacht, so festgemacht, dass die Mittelachse dieses Dreiecks mittig im Chorraum auf den Altar, den Tisch des Herrn, bezogen ist und im Mittelgang durch den Gemeinderaum verlaufend, axial den Altarbereich mit dem Eingang verbindet.


 

Taufstein



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Für eine protestantische Kirche, die weitgehend für die augensinnlichen Freuden der Gemeinde (leider) recht wenig darzubieten hat, bereitet unsere Erlöserkirche, was die räumliche Ausstattung anbelangt, glücklicherweise mehrere Schönheiten zum Lobpreis des Herren vor uns aus!
Möge der Lobgesang zur höheren Ehre Gottes noch lange in unserer schönen Kirche angestimmt werden. Gewiss ist dem Herrn daran gelegen, dass sich die Herzen der Gläubigen zu ihm erheben, denn eine prächtige Ausschmückung der Tempel ist letztlich immer der Vergänglichkeit preisgegeben. Doch seit alters her ist es ein guter und sinnvoller Brauch, dass die Kirchenräume durch die Schönheit ihrer Ausschmückung den Gottesdienstbesuchern das „Erhebet eure Herzen“ gleichsam vormachen.


 

Im weihnachtlichen Schmuck



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Die Baugeschichte

Nachdem in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Emst und Bissingheim als neue Stadtteile Hagens entstanden waren und Anfang der 50er Jahre klar wurde, dass das Emster Feld, das Gelände des ehemaligen Flughafens, bebaut werden würde, nahmen die Verhandlungen zum Bau einer evangelischen Kirche auf Emst endlich greifbare Gestalt an. Im Juni 1954 wurde der Kaufvertrag über das jetzige Kirchengrundstück zwischen der Stadt Hagen und dem Gesamtverband des Kirchenkreises Hagen am Ende der Emster Straße abgeschlossen. Es trägt die Straßenbezeichnung Bergruthe 3. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Bau begonnen, und schon im Frühherbst 1954 erfolgte die Grundsteinlegung.


 

Grundsteinlegung der Erlöserkirche 1954



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Im Laufe des Jahres 1955 wurde die Erlöserkirche Stein für Stein errichtet bis zur Fertigstellung im Frühjahr 1956.


 

Erlöserkirche im Bau 1955



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Am 6. Mai 1956, also am Sonntag Rogate, wurde die Kirche durch den ersten Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen nach dem Krieg, Dr. Ernst Wilm, unter großer Beteiligung der evangelischen Christen Emst-Bissingheims und der hohen Geistlichkeit des Kirchenkreises Hagen eingeweiht.


 

Kirchweihe der Erlöserkirche 1956



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„Entweder ist dem Baumeister geschenkt worden, wirklich eine Kirche zu schaffen, dann muß er sie nicht erklären, oder nicht, dann nützen auch keine schönen Worte“, so schreibt der Planer der Erlöserkirche, Landeskirchenoberbaurat Adolf Schulz, zum Fest der Einweihung.
Der Standort in der Mitte der drei Siedlungen Emst, Bissingheim und des neu entstehenden „Emster Feldes“ war nahezu ideal.



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Weiter schrieb Architekt Schulz: „Mehr als andere Bauten sind Kirchen Gemeinschaftsarbeiten. So denke ich hier an meine Mitarbeiter am Bau, die Architekten Gottschalk und Fischer. Die Ausgestaltung des Altarraums mit Altar, Kruzifix, Taufstein und Lesepult, Beleuchtungskörper, Gestühl und Portal schuf Prof. Arnold Rickert, die Kanzel fertigte Dietrich Rickert, Bielefeld. Die Terrakottadarstellung der Barmherzigkeiten an der Außenseite der Altarwand schuf Eva Limberg, Bielefeld. Die Glocken stammen von Gebr. Rinker aus Sinn. Aber nicht nur die hier Genannten, sondern auch die vielen Handwerksmeister und Gesellen bis zum Lehrling (Anmerkung: Die heutigen Bauingenieure Dieter Fastenrath und Helmut Gries gehörten zu den Lehrlingen und Praktikanten) haben nach besten Kräften zur Vollendung des Baues beigetragen.“



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Kommen wir zur Kirche selbst:

Der Eingang, die „Schöne Pforte“, zeigt auf ihren Flügeln die Geschichte der Erlösung, den Anfang als den Sündenfall und das Ende, die Kreuzigung, die zur Auferstehung des Christus führt, als Vollendung des neuen Bundes Gottes mit den Menschen.


 

Portal



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Im Innern der Kirche findet der Gottesdienst an verschiedenen Orten statt. Zu ihnen gehören vornehmlich die „Prinzipalstücke“: Der Taufstein, der Altar, die Kanzel und das Lesepult. Die Zuordnung dieser Stücke zueinander im gottesdienstlichen Raum ist besonders zu beachten.


 

Im weihnachtlichen Schmuck



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Die Taufe ist der Anfang des christlichen Lebens, der Beginn des Weges der Erlösten. Entgegen früherer Tradition, wo die Taufe im Eingangsbereich einer Kirche vollzogen wurde, hat der Taufstein in unserer Erlöserkirche seinen Platz sinnvollerweise vor den Stufen zum Altar, zumal Taufen heutzutage im Gottesdienst stattfinden.


 

Taufstein



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Das Lesepult trägt die Heilige Schrift. Der Adler als Sinnbild Jesu Christi hält die besiegte Schlange des Satans in seinen Fängen und trägt das heilige Wort Gottes auf seinen Flügeln.


 

Lesepult



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Die Kanzel ist Ort der Verkündigung. Darum sind an ihr die Namen der Apostel und die Namen der Propheten zu lesen. In dem durch Stufen erhöhten Chor steht der Altar, der „Tisch des Herrn“, nach altem Christenbrauch aus Stein aufgebaut. Er ist „bekleidet“ mit unseren wunderbaren Paramenten.


 


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Die Orgel ist die „große Stimme“, die sich mit den Stimmen der Gemeinde zum Lobpreis des dreieinigen Gottes verbindet.

Die großen Fenster des Kirchenschiffes, die den Kirchenraum erhellen, sind symbolträchtig gestaltet, etwa Ähren auf dem Felde, Weinstock und Rebe. Das große Fenster im Chor – sprich Altarraum - zeigt die Darstellung der Passion unseres Herrn und Heilands Jesu Christi.


 


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Die Paramente der Erlöserkirche

Schmücken ist ein Urbedürfnis des Menschen. Ich weiß, was ich tue, wenn ich mich schmücke. Es ist etwas Besonderes, das zu besonderem Anlaß geschieht. Umso mehr waren sich Menschen immer bewußt, was zu tun ist, wenn sie dem Besonderen, wenn sie Gott gegenübertraten. »Gott die Ehre darzubringen«, ihn herauszustellen, hieß ihn loben, anbeten, ihn vergegenwärtigen.


 


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Gewiß, das Gebet im »stillen Kämmerlein« bedarf keines Schmucks - außer dem eines aufrichtigen Herzens -, aber die öffentliche Ehre Gottes wurde immer so proklamiert, daß alle menschlichen Sinne daran beteiligt sein konnten. Israel schmückte seinen Tempel. Die frühchristliche Kirche hat sich schon in den Verfolgungszeiten Zeichen und Symbole gegeben, die auf Gott verwiesen. Als dann im 4. Jahrhundert die ersten Kirchen gebaut werden durften, war es selbstverständlich, sie zu schmücken - den Tisch des Herrn allemal als Mitte der Gemeinschaft, aber auch die Wände und die Fußböden. Sie wurden geziert mit den heiligen Geschichten, als »Bibel der Armen« auch gedacht, die ja nicht lesen konnten.

»Gott die Ehre geben«, das drückte man sinnfällig aus, ohne daß dabei das Gebot Jesu, sich des Nächsten in seiner Not anzunehmen, zu kurz kam. Wir sehen uns in der gleichen Tradition. Die Erlöserkirche hat viele Zeichen und Symbole, die uns die Geschichte des biblischen Glaubens erzählen und deuten. Dazu gehören auch die Antependien des Altars, die Paramente, wie man sie im Allgemeinen nennt.

Die ersten Paramente unserer Kirche, über dreißig Jahre alt, wiesen deutliche Verschleißspuren auf. Dennoch fragten wir uns, ob es moralisch und finanziell vertretbar sei, an ihre Erneuerung zu denken. Unsere Antwort war: solange wir unser Gotteshaus haben, soll es uns - für ihn! - aller Ehre wert sein.

Die Vorgabe war: die Paramente sollten dem Charakter der Kirche gerecht werden, dem Formgefühl unserer Zeit entsprechen und zur persönlichen Meditation einladen. Mit zahlreichen Paramentenwerkstätten wurde korrespondiert, einige besichtigt. Im Dezember 1991 konnte dann das erste und Ende Juni 1992 das letzte Parament in den Dienst des Gotteslobes gestellt werden.

Hier die Paramente mit den Predigten, die damals von Pastor Hans G. Blomeier jeweils zur Einweihung gehalten wurden:

- Das Kirchenjahr und die liturgischen Farben

- Das Adventparament

- Das Parament der Christusfeste

- Das Bußparament

- Das Parament der Kirchenfeste

- Das Parament der festlosen Zeit



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Das Kirchenjahr und die liturgischen Farben




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Den Begriff des »Kirchenjahres« gibt es erst seit 1589, aber schon seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. entwickelte sich die Vorstellung eines christlichen Festkalenders, der die Heilsgeschichte durch das Jahr in den Gottesdiensten darstellt. Schon früh gewannen dabei auch bestimmte Farben ihre symbolische Bedeutung.

Die erste Hälfte des Kirchenjahres begleitet das Leben des Herrn: Geburt - Leiden - Sterben - Auferstehung - Himmelfahrt. Den großen Glaubensfesten Weihnachten und Ostern werden Vorbereitungszeiten als Buß- und Fastenzeiten vorgeschaltet - die vier Adventssonntage vor Weihnachten und die sieben Wochen der Passionszeit vor Ostern. So beginnt das Kirchenjahr mit dem 1. Advent. Ebenso haben die großen Feste aber auch einen »Nachklang«: nach Weihnachten kommt die Epiphaniaszeit, nach Ostern die österliche Freudenzeit bis zum Fest der Himmelfahrt Christi. Mit dem Pfingstfest beginnt das »Jahr der Kirche«, in der das Osterereignis in die Gemeinschaft der Glaubenden führt. Der nachfolgende Sonntag Trinitatis faßt noch einmal den Glauben an den dreieinigen Gott zusammen. Nach ihm werden dann die folgenden Sonntage durchgezählt bis zum Ende des Kirchenjahres, dem Ewigkeitssonntag, der uns an das Ende des Lebens und aller Zeit erinnert, uns aber auch ausrichtet auf die Hoffnung auf Gottes neue Welt.

Weiß - die Farbe der Freude, des Festes, der Reinheit.Sie ist allen Christusfesten zugeordnet (Weihnachten, Epiphanias, Ostern, Himmelfahrt, Trinitatis, Ewigkeitssonntag). Es war auch die Farbe der Taufgewänder, des »neuen Lebens in Christus«.

Rot - die Farbe des Blutes, des Feuers, der Liebe.Sie ist allen Festen der Kirche zugeordnet (Pfingsten, Reformationstag, Konfirmation, Einführungen, Tag der Kirchweihe). Aus der Flamme des Heiligen Geistes entsprang der Glaube, und das Blut der Märtyrer wurde zum Samen der Kirche.

Violett - eine »Mischfarbe«, die den Übergang vom alten zum neuen Leben symbolisiert.Sie ist den Bußzeiten, die auf die großen Heilsereignisse vorbereiten, zugeordnet (Adventzeit, Passionszeit; aber auch Buß- und Bettag).

Grün - die Farbe des Lebens und des Wachstums.Sie ist allen übrigen Sonntagen des Kirchenjahres zugeordnet, zur Erinnerung daran, daß auch in der »festlosen Zeit« Gottes Heilsangebot für uns gegenwärtig ist.

Vielfältig sind die Symbole, die auf dem Hintergrund dieser Farben für die reiche Botschaft unseres Glaubens gefunden worden sind. Jede Zeit hat dabei ihre eigene Sprache entwickelt. Wir wollten bewußt in der Tradition dieser Zeichensprache bleiben, als Dank für das Durchhalten und Weitergeben des Glaubens durch die Generationen, die vor uns waren. Zugleich aber sollen sie dem Menschen unserer Zeit eine Hilfe sein, die Grundaussagen unseres Glaubens neu anzuschauen und zu bedenken.



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Das Adventparament

Entwurf: Kurt Wolff

Ausführung: Werkstatt für ev. Paramentik Diakoniewerk Kaiserswerth, Monika Fritz

Leinen gewebt mit Seidenstickerei


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Die vier Sonntage im Advent haben alle einen unterschiedlichen Akzent: am letzten Sonntag war hier fröhliches Leben mit den Kindern, passend zum Einzug Jesu in Jerusalem: »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!« Der zweite Advent heute setzt dagegen eine ernste Botschaft: »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!« Das gilt den Menschen, die das Leben sehen, wie es ist. Schon Jesaja hat es so beschrieben, und seitdem hat sich nichts geändert: »Das Volk, das im Finstern wandelt...« und »Siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich...« Wir leben, als säßen wir in einem dunklen Raum, auch wenn wir uns heute Tag und Nacht mit Licht umgeben.

Ich wünschte mir, nun einmal ein Zauberer zu sein und uns jetzt, in diesem Augenblick, in totale Finsternis zu versetzen. Alles wäre dunkel hier und nur durch ein Fenster fiele etwas Licht herein - durch das da vorne, auf den Adventparament. Es ist freilich kein schönes und buntes Fenster, sondem ein vergittertes. Und wir wissen: wer durch ein vergittertes Fenster schaut, der sitzt im Gefängnis.

Dieses Fenster dort hat fünf Stäbe, aber eigentlich sind es sieben. Sieben Stäbe - jeder mag sie deuten, wie er will. Man kann dabei an die sieben Todsünden denken, wie sie die mittelalterliche Kirche lehrte: Stolz, Geiz, Unkeuschheit, Neid, Unmäßigkeit, Zorn, Trägheit - eine seltsame Mischung, die aber alle auf das eine zielen: die Zerstörung des menschlichen Miteinanders. Und sie sind alle aus der gleichen Wurzel geboren: wo der Mensch die Gottesgemeinschaft aufkündigt, wo er sich selbst an die erste Stelle setzt, da zerbricht auch die soziale Gemeinschaft. Ich möchte uns die sieben Stäbe heute einmal so deuten: Der erste Stab heißt Angst. Die Angst, im Leben zu kurz zu kommen. Die Angst vor der Zukunft bei den Jungen; die Angst vor dem Tod bei den Alten; die Angst vor dem Versagen bei denen in der Mitte des Lebens. Vielfältig ist die Angst, immer verdrängt und doch stets präsent: Wird mein Leben gelingen? Und was fällt zu »Angst« einem längst hier wohnenden türkischen Mitbewohner oder einem Asylbewerber ein?

Der zweite Stab heißt Schuld. »Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen«, sagt der Volksmund. Aber wer macht mein Gewissen »gut« oder »ruhig«? Welches Opiat muß ich benutzen, damit es nicht schmerzt? »Das Gute, das will ich, das tue ich nicht, und das Böse, das ich nicht will, das tue ich«, sagte schon in ungeschminkter Selbsterkenntnis der Apostel Paulus. Und wir wissen alle, daß die größte Schuld entsteht, wenn ich nichts tue. »Ich prasse nicht, was habe ich dann mit dem Hunger in der Welt zu tun?», »Ich mische mich in niemands Angelegenheiten - was geht mich dann der Selbstmord des Nachbarn an?« Ich werde schuldig, wenn ich handle, und ich werde schuldig, wenn ich nicht handle. Wie kann »Schuld» dann ein Fremdwort sein?

Der dritte Stab heißt Gewalt. Zuerst die mörderische Gewalt der Waffen. Aber auch sie mißbilligen wir nur solange, wie sie nicht zu unseren Gunsten zerstören. Wenn es um uns geht, können wir schnell erklären, warum sich das leider nicht vermeiden läßt. Politiker können sinnlose militärische Gewalt ja nur anwenden, weil Gewalt generell akzeptiert wird, nicht nur in den Köpfen von Generälen, sondem auch mit freundlicher Duldung der Eltern schon in den Kinderzimmern und auf den Computerprogrammen der Kleinen. Und wieso auch nicht? Diese Eltem rüpeln ja selber auf der Überholspur der Autobahn oder an der Kasse im Warenhaus. Wir beteiligen uns an der Gewaltanwendung des Tourismus gegen die Natur, wo der Schnee den Dreck der Sommertouristen verdeckt und man im Sommer die von den Pistenraupen strangulierte Erde sieht. Wir akzeptieren die Gewalt gegen die Hungernden und Flüchtenden, die die Opfer der von uns diktierten Weltwirtschaftsordnung sind: das sind die Panzerbataillone der Zivilbevölkerung!

Der vierte Stab heißt Einsamkeit. In einer Welt voller Menschen wird der Mensch immer einsamer. Er zieht sich zurück, kriecht in sich hinein, will nur noch sich selber finden. Es geht hier nicht nur um den Menschen, der einsam und verlassen in seiner Wohnung lebt. Sondern es ist dieses, daß wir in unserer Gemeinde kaum ein Dutzend Menschen finden, die bereit sind, zu diesen Einsamen zu gehen. »Ich habe selber keine Zeit« heißt es da. »Ich bin so beschäftigt«, was soviel heißt wie »Ich bin so sehr mit mir beschäftigt«. Der einsam Gewordene sieht den Einsamen nicht mehr.

Der fünfte Stab heißt Lieblosigkeit. Das ist eigentlich kein neuer Stab. Er ist aus dem gleichen Eisen wie die anderen vier. Und doch hat er eine andere Qualität. Er entspringt der Eigenliebe. Ich bin der Mensch, der sich selber am meisten beansprucht, der alle »Kapazitäten« ausschöpft, um sich selbst zu genügen. An Lieblosigkeit zerbrechen die Ehen, die alle unter dem Vor-Zeichen der Liebe angetreten sind. Aber was war wirklich gemeint? Wollte ich später nicht eben doch nur »zu meinem Recht kommen« und habe dafür den Preis in Kauf genommen, daß dann »die Liebe erkalten« wird, wie schon Jesus gesagt hat?

Der sechste Stab heißt Hoffnungslosigkeit. Ist er die Summe aus allen? Schon Paulus kannte das Glaubensbekenntnis »Laßt uns Essen und Trinken, denn morgen sind wir tot«. Wir sagen: »Jeder ist sich selbst der Nächste«. Welche Zukunftsperspektiven hat man dann noch? Und wer sagt »aber man darf die Hoffnung nie aufgeben«, den muß man fragen »Ja, welche?«, Hoffnung worauf? Es ist ja ein richtiger Satz. Und darum ist dieser sechste Stab auch nicht mehr ein schwarzer, begrenzender, wie die anderen fünf, sondem er hat schon eine neue Farbe angenommen, das Weiß des Sterns! Die Verwandlung hat schon begonnen!

Und da ist noch der siebte Stab, der heißt Gottlosigkeit. Er ist nicht die Summe, sondem die Ursache von allem. Wir sagen »Ich bin der Herr, mein Gott« und darin würden wir umkommen und des Lebens beraubt, wenn wir dabei blieben. Aber auch dieser Stab ist schon herausgenommen aus dem tödlichen Gitter, hat sich quer gelegt. Und genau das ist die Botschaft dieses Adventsonntags: Gott kommt.

Schaut auf! Der Anfang der Befreiung ist gemacht. Der Anfang der Demontage dieses Fensters, der Anfang der Gefangenenbefreiung: »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Befreiung naht!«

Und wenn wir unser Haupt erheben, sehen wir dieses: Ein Licht bricht herein. Ein Stern. Freilich kein strahlender und funkelnder. Sondern ein schlichter Stern, gebildet aus zweien der tödlichen Gitterstäbe. Und weil sie all das Leid signalisieren, das der Mensch dem Menschen antut, hat der Stern die Form des Kreuzes angenommen. Inbegriff des Leids, weil es das Menschenleid und das Gottesleid umfaßt. Die Stäbe sind also verwandelt worden: die Lieblosigkeit in Liebe, die Hoffnungslosigkeit in Hoffnung. Ein Stern steht nun da, der uns von dem kündet, der von Angst und Leid, von Gewalt und Tod, von Einsamkeit und Lieblosigkeit und Hoffnungslosigkeit weiß. Dieser Stern steht vor unserem aufgebrochenen Fenster. Und er sagt mir: »Der Herr ist mein Licht und mein Heil - vor wem sollte ich mich fürchten?« Das ist die gute Botschaft. Also seht auf! Da ist der Stern!

Doch eine Mahnung zum Schluß. Wer einmal durch einen Fensterausschnitt über eine Weile den Sternenhimmel beobachtet hat, der weiß, daß das Bild, das er sieht, nicht immer so bleibt. Der Stern verschwindet zwar nicht, aber in meinem begrenzten Ausschnitt nehme ich ihn nach einiger Zeit nicht mehr wahr. Und dann sehe ich auch nicht, daß der siebte Stab schon fortgenommen ist und der sechste schon in einem anderen Lichte war.

Christus hat gesagt: »Glaubt an das Licht, solange ihr es habt!« Es steht nicht beliebig zur Verfügung. Nun aber habt ihr es. Es ist euch angesagt. Jetzt scheint es. Und darum gilt: »Mache dich auf! Werde Licht«. Laß Gottes Licht in dein Leben, damit auch du Licht wirst. Nicht schon das groß geschriebene Licht Gottes, aber eben doch ein kleiner Abglanz seines Sterns, der die Arme »Glaube und Hoffnung« und »Liebe und Erbarmen« hat. Amen.



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Das Parament der Christusfeste

Entwurf: Ingeborg Hildebrand

Ausführung: Ratzeburger Paramenten-Werkstatt, Ratzeburg
Anneliese Oesterreich

In Gobelintechnik gewebt, mit Woll- und Goldfäden bestickt


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Als aber die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters (Heiland) erschien, hat er uns errettet, damit wir Erben des ewigen Lebens würden. Das ist gewißlich wahr. (Aus Titus 3)

»Als aber erschien die Güte und Menschenliebe Gottes« - als sie erschien, wo sie erschien; wem sie erschien - da sang man »Brich herein, süßer Schein!« und wohl auch »Christ, der Retter, ist da!«

Wenn wir das so meinen, dann müßten wir heute, am ersten Weihnachtstag, als dem zweiten Christtag, alle in Weiß in den Gottesdienst kommen. So, wie es am ersten Christtag, dem Osterfest, die alte Kirche tat, wenn die Täuflinge in weißen Gewändern in den Gottesdienst einzogen: Weiß die Farbe des Festes, die Farbe der Freude, heute neu angesagt: »Siehe, ich verkündige euch große Freude! Denn euch ist heute der Heiland geboren!« Und die Osterantwort darauf lautet: »Des soll'n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein!« oder eben »Christ, der Retter ist da!« Das und viel mehr anzusingen gegen alles, was in unserer Welt dagegenspricht. Weiß aber auch als die Farbe der Reinheit: »Fröhlich soll mein Herze springen!« denn: »Ich bin rein um deinetwillen, du gibst gnug Ehr und Schmuck, mich darein zu hüllen«, wie Paul Gerhardt sang.

Und da leuchtet sie uns nun entgegen: In großem, weiten Bogen fließt Gottes Güte und Menschenliebe herab. Kommt aus dem hohen Raum, das Licht der beiden Altarkerzen aufnehmend, die als leuchtende Symbole für sein Wort im Alten und Neuen Testament da stehen. Und der Bogen wird nach oben ganz weit, weil der Christus da oben über dem Altar hineingehört. Er ist ja in unserer Erlöserkirche nicht der leidende Christus, sondern der triumphierende Christus, der erlöst hat und errettet: »Es ist vollbracht!«

So müssen wir heute, am ersten Weihnachtstag, von ihm reden. Der Vorabend gestern, der Heilige Abend, der galt dem Kind in der Krippe. Er galt der Not, der Nacht und der Angst, in die Gottes Engel vorgeschickt wurden. Aber heute ist das Fest. Heute dürfen wir hinterher kommen. Heute ist nicht das Fest des Kindes, sondern das Fest des Herrn. Denn es erscheint »die Güte Gottes« und seine Menschenliebe. Darum steht er in der Mitte des Lichts, herrscherlich glänzend im Stern, der aus zwei Figuren gebildet ist: dem Kreuz und dem »Christusmonogramm«, dem X, das in der griechischen Schrift das "CH" bedeutet. Das ist nicht mehr der Morgenstern des Advent und auch nicht der wieder verschwindende Stern von Bethlehem, sondem das ist das Licht der Welt, das bleibt Statthalter Gottes, unseres Retters und Heilands.

Dieser Gott erscheint. Aber wie? Hoch über uns? Nein, er kommt herab. Er taucht in diese Welt unten, die sich da aufwölbt. Eine Welt, die Titus den Christen auf Kreta in seinem Brief zuvor beschrieb als die Welt des Ungehorsams gegen Gott und darum eine Welt der Bosheit, des Neids und des Hasses. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In diese Welt taucht nun Gottes Licht ein. Und darum ist sie da unten, in ihrer Wölbung, nicht mehr schwarz und finster. Sondem es »graut« schon der Tag, und das Grün der Hoffnung keimt auf. Eine Welt in der Ablehnung Gottes - und doch wölbt sie sich ihm entgegen in der Sehnsucht nach Errettung und Befreiung, die sie sich nicht selbst geben kann. Dahinein kommt nur Gottes Menschenliebe, »der Herrscher kommt in das Lager der Rebellen« (G. Voigt), die ihn doch loswerden wollen, weil sie sich mehr Freiheit davon versprechen und dann in Wahrheit sich deswegen ihren vielfältigen Diktaturen unterwerfen müssen. Gott erscheint und holt sich den verlorenen Menschen zurück - das heißt Gottes »Menschenfreundlichkeit!« Nicht »Seid nett zueinander«, »Ein Herz für Tiere, Kinder etc.« - nach dem Motto: weil wir alle nette Menschen sind, wollen wir auch nett zueinander sein. Sondern genau so: weil wir es eben nicht sind, weil die Güte und die Liebe zum verlorenen Menschen verloren gegangen ist und nur noch die Sympathie für den Starken, den Jungen, den »Matchwinner« zählt, darum kommt Gott in diese Welt!

Diese Welt wird dadurch nicht auf einmal das Paradies, auch wenn der Cherub nicht mehr davor steht. Wir sehen es hier: der Himmelsbogen schneidet den Erdenbogen an. Das gibt es also immerhin: Schnittpunkte, an denen herauskommt, wer Gott für uns ist hier auf der Erde. Wo also seine Barmherzigkeit erfahren wird. Wir sagten: Gottes Güte taucht hier ein. Und genauso meint es Titus: Da, wo wir in Gottes Güte und Liebe eingetaucht werden, kommt heraus, wer er ist - nämlich in unserer Taufe, dem Bad, aus dem man (wie) neugeboren aufsteigt, von Gottes Heiligem Geist neu gemacht.

Wo der Schnittpunkt ist, ist Testamentseröffnung. Und wo Testamentseröffnung ist, da gibt es Erben. Und diese Erben haben allen Grund, im festlichen Gewand zu erscheinen, denn sie haben gut lachen. Sie sind Erben des ewigen Lebens. Sie dürfen auf den Christusbogen treten, der sie hineingenommen hat in Gottes Licht. Und wohin führt dieser Bogen? Nach unten!

Und sein höchster Punkt, wir sagten es schon, ist hier das Kreuz. Nach unten also, in diese Welt. Die nun aber nicht mehr gottverlassen ist, auch wenn sie sich noch so gebärdet. Diese Welt hat die Farbe unseres Altarsteins oder umgekehrt. Hierher gehören wir, die Menschen, über die Gottes Liebe reichlich ausgegossen worden ist. Die Liebe, die den Tod bezwungen hat. Wir sind noch nicht dieser Welt entnommen. Wir gehen in sie hinein.

»Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute!« Das kann er nur als Todesbezwinger. Sagen wir am Heiligen Abend: Der Weg geht von der Krippe zum Kreuz, dann sagen wir heute: der Weg geht von Ostern zur Epiphanie Gottes, zu seinem Sichtbarwerden. Wir sind nicht mehr unter uns. Er ist da, der uns angenommen hat.



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Das Bußparament

Entwurf: Ingeborg Hildebrand

Ausführung: Ratzeburger Paramenten-Werkstatt, Ratzeburg
Anneliese Oesterreich

Gobelintechnik gewebt


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So lange ist es noch nicht her, daß wir singen durften »Wonne, Wonne über Wonne, Christus ist die Gnadensonne!« und all die anderen Lieder vom Licht der Liebe Gottes, das in unsere Welt gekommen ist; von der Wärme seiner Liebe, die die kalten Herzen auftaut und zu bewohnbaren Orten macht - die Herzen derer, die Platz haben für die, die solcher Liebe und Wärme bedürftig sind.

Ist es wirklich noch nicht so lange her? Ich meine ja nicht die elf Kalenderwochen, die seit Weihnachten vergangen sind, sondern ich meine, wie weit sich unser eigenes Herz inzwischen wieder von dieser Botschaft entfernt hat. Am letzten Sonntag hat nun die Passionszeit begonnen, und es wurde uns in der Predigt in eindrucksvoller Weise die Geschichte des Menschen vor Augen geführt, die Geschichte seiner Urschuld, die zu seiner zweiten Natur geworden ist: »Sein wollen wie Gott«. Gott also nicht mehr zu brauchen. Gottlos zu werden. Der Segen der paradiesischen Gottesgemeinschaft wandelte sich da in den Fluch der Gottesferne. Was dann folgte, ist bekannt: Der Brudermord, der Krieg des Menschen gegen den Menschen als unvermeidliche, logische Konsequenz.

Daß wir zu Weihnachten »um Christi willen« singen durften »Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis« ist inzwischen wieder weg bei uns. Können das elf Wochen bewirken? Ich denke nein. Das bewirken wir selber. Der Weg ist bei uns immer kurz von der weihnachtlichen Gnadensonne, dem aufstrahlenden Licht der wärmenden Liebe Gottes zu dem Satz des Evangelisten: »Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein.« (Lukas 23, 44, 45)

So sehe ich unser neues Passionsparament hier. Auf dem Hintergrund der Farbe, die uns »Bußzeit« anzeigt, Zeit der Vorbereitung auf sein Kommen, so wie im Advent. Es ist die Zeit der Erkenntnis, des Eingeständnisses und dann auch des Bekenntnisses, daß wir weit, weit von ihm entfemt sind - ob vier Wochen im Advent vom Bethlehemgeschehen oder sieben Wochen in der Passionszeit vom Ostergeschehen. So weit von ihm entfemt, daß wir garnicht mehr von uns aus den Weg zu ihm finden können.

In diese Farbe der Buße (oder sagen wir besser: des Grunds zur Buße?) taucht hier auf dem Parament die Sonne ein. Sie verfärbt sich immer mehr, wird immer dunkler, nimmt vom Rande her die Schuld- und Bußfarbe immer mehr in sich auf. Es ist eine untergehende Sonne. Nur ein kleiner, heller Fleck zeigt noch ihre alte, warme Leuchtkraft, aber auch er wird verschwinden. Und das nicht genug: Nicht nur, daß die Sonne in diesem Dunstkreis versinkt, der ein Produkt der atmosphärischen Verschmutzung ist, die menschliches Leben weitaus mehr beschäftigt und zerstört als die sogenannte »Luftverschmutzung«, die ja sicher ein »Nebenprodukt« dieser Urschuld ist. Die Sonne versinkt, und darüber hinaus werden auch noch ihre letzten Strahlen vielfach verstellt und gebrochen durch das Gitter davor, einem undurchdringlichen Verhau von speer- und zackenbewehrten Stäben, die wir uns ohne große Mühe zur Dornenkrone umgebogen vorstellen können.

Eine Dornenkrone. Sie ist entstanden aus dem Verhau aller menschlichen Schuld bis auf den heutigen Tag. Die Schuld, die Menschen damals Jesus angetan haben von seiner Geburt an, die ihm die Aufnahme, ein Dach über dem Kopf, verweigert haben und all der Unglaube, der ihm entgegengebracht wurde: Die Ablehnung, der Verrat, die Verhöhnung, die Folterung und der Tod. Und die Schuld, die sich Menschen gegenseitig angetan haben von jener Urgeschichte an bis auf den heutigen Tag, ob auf den Kriegsschauplätzen (»Schau-Plätzen«??) aller Zeiten, ob auf den Straßen und Schulhöfen, ob auf den Fernsehschirmen (auch das »Schauplätze« mit hoher Einschaltquote!), die die Gewalt gesellschaftsfähig machen, bis daß sie dann unsere Kinder als »normal« ansehen und sie auch ausüben. Und schließlich - die böse Überraschung! -, daß in all dem, wo der Mensch den Menschen hungern und dürsten läßt, frieren und einsam macht, ausgeschlossen oder eingesperrt, daß in all dem der Mensch diese Torturen zugleich an Christus, an Gott selbst fortsetzt: »Was ihr (nicht) getan habt einem von den Geringsten, das habt ihr mir (nicht) getan.«

Das gilt es jetzt einmal auszuhalten. Die Sonne geht unter, und es führt kein Weg zu ihr. Es ist kein romantischer, fotogener Sonnenuntergang, den es sich lohnt festzuhalten. Man sollte lieber nicht hinschauen. Und wir wollen uns jetzt auch nicht gleich wieder durchmogeln und sagen: Ja, gut, das ist unsere Schuld! Aber dahinter scheint doch schon die Ostersonne, und bald wird alles wieder gut!

Nein, jetzt geht sie unter. Und wir sollten uns vorstellen können, wie sie nun Sonntag für Sonntag immer dunkler wird, bis hin zum schwarzen Freitag, an dem sie ihren Schein ganz verlieren wird. Sie taucht unter in den Dunstkreis unserer Schuld, in die Verschmutzung der paradiesischen Atmosphäre, die doch einmal bestimmt war von Dankbarkeit, Verantwortung vor Gott, von kindlichem Vertrauen und liebevoller Nähe. Jede Verfärbung dieser Sonne ist ein Stück von mir. Und jeder Stab ein Stück Dornenkrone, an der ich mitgeflochten habe. Ein Stück Gottesverweigerung, die ihn in den Tod brachte - und ohne ihn auch mir den Tod bringt.



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Das Parament der Kirchenfeste

Entwurf: Kurt Wolf

Ausführung: Werkstatt für ev. Paramentik Diakoniewerk, Kaiserswerth
Monika Fritz

Leinen gewebt mit Stickerei


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Wir haben eben die »Pfingstgeschichte« gehört (Apostelgeschichte 2), die Geschichte von der »Geburt der Kirche«, wie man zu sagen pflegt. Und wir haben gerade aus dem Johannesevangelium die »Abschiedsworte Jesu« gehört, seltsame und doch schöne Worte! Es ist einfach schön, wenn jemand zum Abschied sagt: »Bis bald! Ich komme wieder. Und ich werde nicht allein kommen. Ich bringe noch jemanden mit, und dann werden wir für immer bei euch sein, und wir werden uns nie mehr trennen.« Er hat Wort gehalten, sonst säßen wir nicht hier.

Diese Worte möchte ich uns nun bildhaft werden lassen durch das neue Parament, das von heute an unseren Altar schmücken wird zu allen Festen der Kirche: Zu Pfingsten, dem Geburtstag der ganzen, einen christlichen Kirche; zum Reformationstag, der Erinnerung an die stets aufgegebene Erneuerung der Kirche; zum Kirchweih(KirchMai-)Fest, wenn Kirche Jesu Christi hier vor Ort ihre erfahrbare Gestalt annimmt; zur Konfirmation, wenn junge getaufte Christen zum ersten Mal an den Tisch des Herrn treten und »Kirche« voll und ganz erfahren; und schließlich auch zu Gottesdiensten, in denen die Gemeinde oder die Kirche Menschen beruft, ihr Leben in den Dienst der Sache Jesu zu stellen. »Fest der Kirche« - dargestellt auf rotem Grund. »Was fällt euch zu 'rot' ein?« fragte ich die Konfirmanden. Sie kicherten verlegen »Rot ist die Liebe!« und waren erstaunt, als ich sagte: »Ja, so ist es. Ihr habt recht. Kirche ist aus der Liebe Gottes geboren, und wie groß diese Liebe ist, seht ihr daran, daß Gott dieses oft sehr unartige, ungehorsame, eigenwillige und treulose Kind nicht fallen läßt. Denn es ist ein Kind der Liebe, gewollt und gewünscht und bleibt es auch egal, wie es sich gebärdet.«

Rot ist aber auch die Farbe des Blutes, und das werden wir nicht vergessen, wenn wir von »Kirche« reden, wenn wir sie schmähen, den Kopf über sie schütteln und nur die menschlich-allzumenschliche Institution sehen und nicht alles andere, was doch ihr Wesen ausmacht. Denn: daß Kirche wurde und daß die Kirche sein kann, dafür ist in der Tat Blut geflossen, direkt aus Gottes Herz. Und es trat heraus aus den Wundmalen Jesu. Aber er ist nicht verblutet, sondern sein Blut ist der Saft des Lebens geworden, aus dem neues Leben entsprang. Und dann hat sich das immer fortgesetzt, daß Menschen für ihren Glauben an den Herrn ihres Lebens in den Tod gehen konnten und man schon fruh die Erkenntnis formulierte »Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche«. In den schwersten Verfolgungszeiten war Kirche zwar nicht als Institution, wohl aber in der Kraft des Glaubens immer am stärksten.

Und Rot ist die Farbe des Feuers, des alten Symbols für die Gegenwart Gottes. Mein Herz, das mein Blut in Bewegung hält, ist in Liebe entflammt. Blut und Liebe und Feuer - da ist in einem Satz alles beieinander!

Ich bin entflammt. Das ist Glauben in der Kraft des Geistes Gottes. Und nun zum Bild unseres Paramentes. Da stehen eigentlich zwei Aussagen gegeneinander. Man könnte es deuten »Die Welt in Flammen«: Das wäre für uns zunächst ein Symbol der Zerstörung, des Krieges, wo der Mensch als Brandstifter auftritt. Damit wäre dann der Ist-Zustand unserer Welt beschrieben, der Welt, in der sich der Mensch nur noch selbst verantwortlich ist. Aber wir können auch sagen: Gottes Liebe wird einmal alle Menschen entzünden. Und jeder von uns wird dann sagen können: Schau, diese Flamme da, das bin ich! Oder wir sagen: Wir, die Erlösergemeinde, als eine unter vielen, vielen Gemeinden Jesu Christi, wir sind da die eine Flamme. Oder bescheidener: Wir möchten es jedenfalls sein. Denn noch ist es ja nicht so weit. Und hier würde dann nicht der Ist-Zustand der Welt dargestellt, sondern Gottes Entwurf von einer Welt, in der die Flamme nicht mehr zerstören, sondern Wärme und Liebe, Herzblut und Geborgenheit schenken wird. Nicht die Welt, aus der sich Gott zurückgezogen hat, sondern in der er Wohnung genommen hat, um ihr seinen Frieden zu schenken. Es ist das Bild von der Zukunft der Kirche.

In ihren Formen passen sich die Flammen einander an und bilden so ein Ganzes. Auch das ist Kirche in der Welt: Das Feuer des Geistes ist die Summe der Flammen. Denn eine Flamme allein wird bald zum Flämmchen und dann verlöschen. Das ist das Pfingstgeschehen als ein Ereignis des Lebens: Wer zur Welt kommt, wird alsbald angesprochen, und nur so ereignet sich sein Menschsein. Das weiß jede Mutter. Und auch Liebende erklären sich, reden miteinander. Es gibt ein schönes Gedicht von Gottfried Benn, das so beginnt:

Kommt, reden wir zusammen,
wer redet, ist nicht tot.
es züngeln doch die flammen
schon sehr um unsre not.

Ja, reden wir miteinander oder, um es mit Jesu Worten zu sagen: Lernen wir wieder reden. Das fängt ja nicht bei Null an. Sprache ist immer sich erinnern an das, was gesagt worden ist. Wir bringen zur Sprache, was schon vor uns war: Gottes Ja zu uns, das wir uns zu eigen machen dürfen, um es uns dann gegenseitig weiter zu sagen, um selbst nicht tot zu bleiben oder den anderen durch Verschweigen zu töten. Das ist die tiefe Verantwortung christlichen Glaubens: Mir wird Glaube zuteil, damit ich ihn teilen, mitteilen kann. Christ kann man nicht nur für sich sein.

Das Entscheidende dabei ist aber dieses: Daß wir deutlich machen, woher die Flammen kommen, die uns entzündet haben - von oben! Und darum weisen sie hier auf dem Parament auch alle nach oben und erinnern damit an ihren Ursprung. Das ist also das Unterscheidungsmerkmal für »die Welt in Flammen«: Folgen diesen Flammen Schutt und Asche, dann war der Mensch der Brandstifter. Folgen ihnen Glauben und Leben, dann war es Gott, der das Feuer entzündet hat. Oder auch so: Ob lähmendes Entsetzen sein wird oder ob Gott gepriesen wird, weist den Urheber des Feuers aus.

Das also ist Pfingsten, das Fest, mit dem so viele nichts anfangen können. Aber so ist das im Leben: wo Licht ist, ist auch Schatten. Wenn man sich von der Wärme und dem Licht des Feuers entfernt, geht man in die Kälte, in die Einsamkeit, in die Nacht. Pfingsten, das Fest des Glaubens, das Fest der Kirche, das weltumspannende Fest. Das Fest der Erinnerung an das, was Gott angefangen hat, also das Fest, das schon die Zukunft feiert. Hier ist Gottes Bild von seiner Welt. Wir, seine Gemeinde, wir, die Getauften, haben die Verheißung, schon jetzt in dieses Bild hineingewoben zu sein.



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Das Parament der festlosen Zeit

Entwurf: Ingeborg Hildebrand

Ausführung: Ratzeburger Paramenten-Werkstatt, Ratzeburg
Anneliese Oesterreich

Gobelintechnik mit eingestickten Konturen


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Sicher haben es schon alle wahrgenommen: Es hängt ein neues Parament als Antependium des Altars in unserer Kirche - pünktlich zum 1. Sonntag nach Trinitatis, mit dem, wie man so sagt, die »festlose Zeit« des Kirchenjahres beginnt. »Festlos« - das klingt stumpf und langweilig, und dazu will dieses Parament mit seinen leuchtenden Farben gar nicht passen. Aber diese Vorstellung von »festlos« = »öde« ist ja auch falsch. Wer richtig Feste zu feiern versteht, der hakt nicht einfach ein Fest ab, um sofort nach dem nächsten zu gieren. Wer Feste zu feiern versteht, kennt die Vorfreude und lebt auch hinterher noch von ihnen. Ein schönes Fest läßt auch noch eine Weile hinterher schöne Bilder aufsteigen, die mich erfreuen. Wir haben Christi Geburt gefeiert, seine Auferstehung und Pfingsten, das Fest des Geistes Gottes. Aber was ist für uns dabei herausgekommen? Was bestimmt uns heute noch von diesen "Höhepunkten"?

Davon erzählt uns das neue Parament, das im Laufe des Kirchenjahres am meisten zu sehen sein wird. Da ist zunächst einmal seine Farbe. Grün - die Farbe des Frühlings und des Sommers, der Urlaubsstimmung würden wir sagen. Man denkt an Wiesen und Wälder, an Wachsen und Gedeihen. Aber schon das Grün einer Oase mitten in der Wüste wird uns zum Symbol des Lebens. Und wenn wir beten »Du weidest mich auf einer grünen Aue«, dann wissen wir, was wir damit sagen wollen: Du, Gott, schenkst mir das Leben in seiner ganzen Fülle.

Vielfältiges Grün ist auf unserem Parament zu sehen. Sattes, dunkles Grün. Grün, gemischt mit dem Blau des Himmels oder des Wassers. Grün, durchwirkt vom Gold der Mitte, ein Goldgelb der Sonne und des Lichts. Ganz früh schon wurde in der christlichen Kunst das Grün zur Farbe des Paradieses, Ausgang und Ziel des Lebens mit Gott. Es ist eine Hoffnungsfarbe, da hat der Volksmund recht: »Grün ist die Hoffnung«. Es ist das Wissen darum, daß das Leben hier nie zu seiner Erfüllung und Vollendung kommt, aber daß es hier schon auf dieses Ziel hin leben darf. Grün ist hier also nicht einfach die Farbe der Natur, denn auch sie ist ja »der Vergänglichkeit unterworfen« mit und ohne Nachhilfe des Menschen. Nein, es ist die Farbe der Hoffnung auf die Überwindung des unheilvollen Zustands dieser Welt, so, wie es Gott uns in Jesus Christus verheißen hat.

Darum hat die frühe christliche Kunst, vor allem die mittelalterliche Buchmalerei, den Gekreuzigten oft dargestellt mit einem grünen Nimbus über dem Haupt. Im Fraumünster von Zürich hat dann in dieser Tradition der große russische Künstler Marc Chagall in unserer Zeit einen grün-goldenen Christus geschaffen. Grün, die Farbe des Paradieses, das war und das verheißen ist, die Farbe des Schöpfers. Grün, die Farbe des ewigen Lebens, des Sieges der Liebe über den Tod, die Farbe des Erlösers. Und dann hat Hildegard von Bingen geschrieben von der »Grünkraft des Heiligen Geistes«, der das Leben schafft, der den Glauben schenkt und der den Glauben wachsen läßt, damit er Frucht bringe im Lob Gottes und in der Liebe zum Nächsten.

Und damit sind wir bei der Gestaltung unseres Antependiums. Es lebt von seiner goldenen Mitte, die abstrahlt in alle Richtungen. Freilich, je weiter weg man von der Mitte ist, umso dunkler werden auch die Farben. Das verstehen wir. Gott, die Mitte des Lebens, wird nur erfahrbar in seiner Nähe. Das Licht des Glaubens hat keinen Widerschein bei mir, wenn ich mich von ihm entferne.

Diese Mitte, die da so golden leuchtet inmitten des Grün, erinnert noch an ein anderes Bild: Es ist das gelbe Saatkorn, das zu sprießen begonnen hat. Es ist das Weizenkorn, das erstirbt und das deswegen nicht allein bleibt, wie es uns Christus im Johannesevangelium von sich selbst gesagt hat. Seine Liebe will in uns auferstehen. Oder auch so: Die Saat von Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten geht jetzt schon bei uns auf.

Die goldene Mitte unseres Antependiums ist aber auch die Mitte eines Kreuzes, das uns an die Liebestat Christi erinnert. Je weiter weg man vom Altar steht, umso besser erkennt man das. Das entspricht unserer Lebenserfahrung: Wie sehr ein Mensch der Liebe bedarf, wird ihm immer erst richtig bewußt, wenn er sich von ihr entfernt hat. Nun möchte die Künstlerin in diesen »Kreuzesarmen« aber auch noch etwas anderes sehen. Das hat sie mit den eingewobenen Blautönen angedeutet. Sie sind das alte Symbol des Stromes von Eden, des Paradiesstromes, der sich in vier Arme teilt, um Gottes Garten zu bewässern. Dieses Lebenswasser ist von den leuchtenden Spurenelementen der goldenen Mitte durchzogen. »Alles, was darin lebt und webt, wohin der Strom kommt«, schreibt der Prophet Hesekiel in seiner Vision vom Tempelstrom.

Und der Seher der Offenbarung nimmt am Schluß der Bibel dieses Bild auf: »Er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes (das Gold!)... Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.«

Ein Parament, das uns die Geschichte des Lebens und der Liebe erzählt. Der Liebe, die das Leben durchflutet mit Gottes Geist und neues Leben erweckt. Der Liebe, die auf Hoffnung hin glaubt, daß Gottes Ernte einmal eingebracht wird. Er hat ja für alles gesorgt: für den Samen und das Wasser und das Licht. Und auch noch für ein Letztes, für die Ordnung des Lebens, damit das Leben wieder in Ordnung komme. Die Arme der Ströme sind eingebettet, das betonen ihre plastischen Kanten. Das muß so sein, denn Wasser ist ja nicht nur ein Bild für das Leben, sondern Wasser kann auch zerstörerisch und chaotisch sein. Gottes Geist aber ist ein Geist des Lebens, der den Menschen, der sich von ihm erfassen läßt, vor dem Chaos bewahrt und ihn wieder »in Ordnung« bringt.

Das predigt uns dieses Parament der festlosen Zeit. Es predigt uns Sonntag um Sonntag das Fest der Liebe Gottes. Kann es da noch eine »festlose Zeit« geben? Wer Ohren hat zu hören, der höre! Und wer Augen hat zu sehen, der sehe!



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Der Grabstein vor der Kirche

Der Grabstein erinnert an Frau Pirker, früher wohnhaft in der Ascherothstraße, die 1982 verstarb.

In ihrem Testament hatte sie die frühere Erlöserkirchengemeinde zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Das Erbe bestand im Wesentlichen aus drei Häusern, von denen unserer Gemeinde heute noch ein Mietshaus in der Lippestraße gehört.
Frau Pirker machte uns damals die Renovierung und die Erweiterung des Gemeindehauses möglich, u.a. das Kaminzimmer und die Küche, die uns viele Aktivitäten rund um das Gemeindehaus ermöglicht. Ferner trägt der Erwerb eines weiteren Hauses in der Berlinerstraße, das an das Diakonische Werk vermietet ist, der zusammen mit dem Haus in der Lippestraße zu einer erheblichen Verbesserung der Haushaltssituation beiträgt.

Da die Ruhezeit des Grabes zwischenzeitlich abgelaufen ist, möchte die Gemeinde mit der Aufstellung des Grabsteins auf unserem Kirchengelände dankbar an Frau Pirker erinnern.


 

Grabstein der Familie Pirker



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Panorama-Ansichten der Erlöserkirche

Durch freundliche Unterstützung von Herrn Manfred Kundt können wir Ihnen hier besondere Panorama-Ansichten der Erlöserkirche präsentieren.

1. Panorama im Flash Player Format

Um sich dieses Panorama ansehen zu können, benötigen Sie den kostenlosen Flash Player von Adobe, den Sie sich hier laden können:

www.get.adobe.com/de/flashplayer



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Bitte klicken Sie den folgenden Link oder das Bild an, um sich das Panorama anzeigen zu lassen:

Panorama der Erlöserkirche - Innensicht [2.413 KB]
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Panorama der Erlöserkirche - Aussensicht [5.068 KB]
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Panorama der Erlöserkirchen-Orgel [3.041 KB]


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2. Die Glocken der Erlöserkirche

Wenn Sie wollen, können Sie sich auch die Glocken der Erlöserkirche anhören!

Einfach folgen Link anklicken:

Glockengeläut der Erlöserkirche [3.284 KB]



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1956 konnte dann in Emst die Kirche feierlich in Dienst genommen werden. „Die Kirche soll den Namen ‚Erlöserkirche’ tragen. Gott, unser Vater, schenke es durch seine Gnade, dass in dieser Kirche die frohe Botschaft von unserer Erlösung durch seinen Sohn Jesus Christus in der Kraft und Vollmacht des heiligen Geistes allezeit lauter und rein verkündigt werde.“ So ist es auf dem Grundstein, der bereits 1954 gelegt worden war, feierlich beurkundet. Die „Erlöserkirche“ stellt uns die Erlösung mannigfaltig vor Augen. Aller bildlicher Schmuck an Türen und Fenstern, am und über dem Altar bezeugen, was Theodor Fliedner wunderbar eindrücklich formuliert hat: „Ohne Christus haben wir im Leben keinen Frieden, im Tod keinen Trost, in der Sünde keine Vergebung.“


 

Fenster im kleinen Saal



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